Farbstoffe in Lebensmitteln (E100–E199)
Farbstoffe sind die erste Gruppe in der großen Liste der Lebensmittelzusatzstoffe. Sie tragen die Kennnummern E100 bis E199 und haben die Aufgabe, Lebensmitteln Farbe zu verleihen, Farbverluste auszugleichen oder sie einfach ansprechender aussehen zu lassen.
Farbe beeinflusst unsere Wahrnehmung von Lebensmitteln enorm: Ein knallroter Erdbeerjoghurt schmeckt für viele „fruchtiger“ als derselbe Joghurt in blassem Rosa.
1. Warum werden Farbstoffe eingesetzt?
-
Optische Attraktivität: Lebensmittel wirken frischer, appetitlicher und hochwertiger.
-
Kompensation von Verlusten: Viele natürliche Farben verblassen durch Lagerung, Licht oder Hitze beim Kochen und Backen.
-
Erwartung der Verbraucher: Wir verbinden bestimmte Farben mit einem typischen Geschmack (z. B. Orange mit Orangenaroma).
-
Wiedererkennbarkeit: Markenprodukte sehen durch gleichbleibende Farbintensität immer identisch aus.
2. Herkunft der Farbstoffe
Farbstoffe können natürlichen Ursprungs sein oder synthetisch hergestellt werden:
-
🌱 Natürliche Farbstoffe stammen oft aus Pflanzen (z. B. Carotinoide aus Karotten, Chlorophyll aus Spinat, Betanin aus Roter Beete).
-
⚗️ Synthetische Farbstoffe werden im Labor hergestellt, weil sie stabiler sind und intensivere Farben erzeugen (z. B. Azofarbstoffe wie E102 Tartrazin).
3. Wichtige Beispiele (E100–E199)
Gelb- und Orangetöne
-
E100 Curcumin: Gelb, aus Kurkuma-Wurzel.
-
E101 Riboflavin: Vitamin B2, gelblich-orange.
-
E102 Tartrazin: synthetisches Gelb, häufig in Süßwaren und Getränken.
-
E110 Gelborange S: kräftig orange, synthetisch.
Rottöne
-
E120 Karmin: aus Cochenille-Schildläusen gewonnen.
-
E122 Azorubin: synthetisches Rot, in Süßwaren.
-
E124 Cochenillerot A: synthetisches Rot, oft in Backwaren.
-
E162 Betanin: natürlich, aus Rote Beete.
-
E163 Anthocyane: pflanzliche Farbstoffe aus Trauben und Beeren.
Blautöne
-
E131 Patentblau V: synthetisch.
-
E132 Indigotin: synthetisch, bekannt aus Jeansfarbe, aber auch in Lebensmitteln.
-
E133 Brilliantblau FCF: sehr intensives Blau, synthetisch.
Grüntöne
-
E140 Chlorophyll: natürlich, aus grünen Pflanzen.
-
E141 Chlorophyllin-Kupfer-Komplexe: stabilere, grüne Variante.
-
E142 Grün S: synthetisch, leuchtendes Grün.
Brauntöne und Schwarz
-
E150a–d Zuckerkulör: karamellisierter Zucker, in Cola und Sojasauce.
-
E153 Pflanzenkohle: Schwarz, z. B. in Lakritz.
Weiß und Metallicfarben
-
E170 Calciumcarbonat: Weiß, auch als Mineralstoff bekannt.
-
E171 Titandioxid: Weißpigment, seit 2022 in der EU nicht mehr zugelassen.
-
E172 Eisenoxide: Rot, Gelb oder Braun.
-
E173 Aluminium, E174 Silber, E175 Gold: für dekorative Überzüge (z. B. auf Pralinen oder Backwaren).
4. Gesundheitliche Aspekte
-
Natürliche Farbstoffe gelten in der Regel als unbedenklich.
-
Synthetische Azofarbstoffe (z. B. Tartrazin E102, Azorubin E122) stehen im Verdacht, bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen oder Hyperaktivität bei Kindern zu verstärken. Produkte mit bestimmten Azofarbstoffen müssen daher in der EU den Hinweis tragen:
„Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“ -
E171 Titandioxid wurde 2022 in der EU verboten, da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es erbgutschädigend wirkt.
5. Wo finden wir Farbstoffe?
-
Süßwaren (Bonbons, Gummibärchen, Eis)
-
Getränke (Softdrinks, Liköre)
-
Backwaren und Desserts
-
Milchprodukte (Fruchtjoghurt, Pudding)
-
Knabberartikel (Chips, Snacks)
-
Dekorationen (Silber- oder Goldüberzug)
6. Tipps für Verbraucher
-
Etiketten lesen: Wer empfindlich reagiert, sollte auf die E-Nummern achten.
-
Natürliche Produkte bevorzugen: Farbstoffe aus Pflanzen sind meist verträglicher.
-
Kinder im Blick behalten: Bei Produkten mit Azofarbstoffen auf Warnhinweise achten.
-
Selber machen: Hausgemachte Lebensmittel mit Kurkuma, Rote Beete oder Spinat färben oft genauso schön – ganz ohne Zusatzstoffe.