Emmer – das Urgetreide mit Zukunft

Einleitung

Emmer (Triticum dicoccum), auch als „Zweikorn“ bekannt, gehört zu den ältesten kultivierten Getreidearten der Menschheit. Schon vor über 10.000 Jahren wurde er im sogenannten „Fruchtbaren Halbmond“ angebaut und galt lange Zeit als Grundnahrungsmittel. Heute erlebt Emmer eine Renaissance – nicht nur wegen seines geschichtlichen Werts, sondern auch aufgrund seiner ernährungsphysiologischen Vorteile und seines besonderen Geschmacks.


Geschichte und Herkunft

Emmer ist nach Einkorn eine der frühesten domestizierten Weizenarten. Er war im Alten Ägypten, in Mesopotamien und später auch im Römischen Reich weit verbreitet. Mit dem Aufkommen des ertragreicheren Weichweizens verschwand Emmer jedoch nach und nach von den Feldern Europas. Nur in wenigen Regionen, vor allem in Italien (Toskana, Umbrien) und in Süddeutschland, hielt er sich in kleinen Nischenanbaugebieten.


Botanische Merkmale

  • Gattung: Weizen (Triticum)

  • Art: Dinkelweizen (Triticum turgidum ssp. dicoccum)

  • Besonderheit: Als sogenanntes „Spelzgetreide“ ist das Korn von festen Spelzen umhüllt und muss nach der Ernte entspelzt werden.

  • Wuchs: Emmer ist robust, kommt mit nährstoffärmeren Böden zurecht und ist widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten als moderne Weizenarten.


Nährwerte und gesundheitliche Aspekte

Emmer ist reich an Mineralstoffen und wertvollem Eiweiß. Besonders hervorzuheben sind:

  • hoher Magnesium- und Eisenanteil

  • viele Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung

  • ein hoher Anteil an Antioxidantien

  • Proteingehalt von rund 15–18 %, was Emmer interessant für Vegetarier und Sportler macht

Gluten ist allerdings enthalten – Emmer ist daher für Menschen mit Zöliakie ungeeignet.


Verwendung in der Küche

Emmer überzeugt durch seinen nussigen, leicht herben Geschmack. Er kann in vielfältiger Weise eingesetzt werden:

  • Brot & Gebäck: Emmermehl eignet sich für aromatische Brote, Nudeln oder Kuchen.

  • Kornform: Gekocht passt Emmer als Beilage ähnlich wie Reis oder Couscous.

  • Salate & Bowls: Gekochte Emmerkörner geben eine kernige Textur.

  • Bier & Pasta: In Italien wird Emmer traditionell zu Nudeln verarbeitet, und in Deutschland brauen einige kleine Brauereien sogar Emmerbier.


Nachhaltigkeit und Anbau

Emmer gilt als ressourcenschonendes Getreide:

  • benötigt weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel als moderner Weizen

  • wächst auch auf kargen Böden

  • fördert die Biodiversität, da er alten Sortenvielfalt erhält

Damit passt Emmer hervorragend in eine ökologisch orientierte Landwirtschaft und erfreut sich wachsender Beliebtheit im Bio-Anbau.


Fazit

Emmer ist mehr als ein historisches Relikt – er ist ein wertvolles Urgetreide, das durch seine Robustheit, seine positiven Nährstoffeigenschaften und seinen einzigartigen Geschmack überzeugt. Wer auf Vielfalt im Speiseplan setzt und gleichzeitig nachhaltige Landwirtschaft unterstützen möchte, findet in Emmer eine spannende Alternative zu modernen Weizensorten.


Rezeptidee: Emmersalat mit Gemüse und Feta

Zutaten (für 4 Personen):

  • 250 g Emmerkörner

  • 600 ml Wasser oder Gemüsebrühe

  • 1 rote Paprika

  • 1 Gurke

  • 200 g Cherrytomaten

  • 150 g Feta-Käse

  • 1 kleine rote Zwiebel

  • 3 EL Olivenöl

  • 2 EL Zitronensaft

  • frische Petersilie oder Minze

  • Salz & Pfeffer

Zubereitung:

1. Emmerkörner gründlich waschen und nach Packungsanweisung ca. 30–35 Minuten in Wasser oder Brühe garen. Anschließend abgießen und abkühlen lassen.

2. Gemüse klein würfeln, Zwiebel fein hacken, Feta zerbröseln.

3. Alles mit den gekochten Emmerkörnern in einer großen Schüssel vermengen.

4. Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer zu einem Dressing verrühren und unterheben.

5. Mit frischen Kräutern garnieren und lauwarm oder kalt servieren.

Tipp: Der Salat lässt sich wunderbar variieren – zum Beispiel mit gegrillter Zucchini, Oliven oder einem Hauch Knoblauch.