Sauerteig-Ansatz – Grundlagen, Herstellung und Bedeutung
1. Einleitung
Der Sauerteig-Ansatz (oft einfach „Sauerteig“ oder „Starter“ genannt) ist eine Mischung aus Mehl und Wasser, die durch natürliche Mikroorganismen (Hefen und Milchsäurebakterien) in Gärung gebracht wird. Er dient als Triebmittel, Aromageber und Stabilisator – vor allem für Roggen- und Mischbrote, aber auch für Weizen- und Dinkelbrote.
Sauerteig gehört zu den ältesten Methoden der Brotherstellung und wird seit Jahrtausenden genutzt.
2. Warum Sauerteig?
Ein Sauerteig-Ansatz erfüllt mehrere wichtige Funktionen:
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Lockerung: Wilde Hefen bilden Kohlendioxid, das den Teig aufgehen lässt.
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Versäuerung: Milchsäure- und Essigsäurebakterien senken den pH-Wert → wichtig für Roggenbrote, da Roggenstärke sonst nicht backfähig wäre.
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Aromabildung: Säuren und Fermente erzeugen ein komplexes Geschmacksprofil – von mild bis kräftig-sauer.
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Frischhaltung: Säuren verzögern das Austrocknen und hemmen Schimmelbildung.
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Bekömmlichkeit: Abbau von Phytinsäure und Glutenanteilen verbessert die Verträglichkeit.
3. Herstellung eines Sauerteig-Ansatzes
Ein klassischer Ansatz besteht nur aus Mehl und Wasser. Roggenmehl eignet sich besonders gut, da es viele Enzyme und Nährstoffe für Mikroorganismen liefert.
Grundprinzip (5-Tage-Startmethode)
Tag Aktion Beobachtung / Hinweise
Tag 1 100 g Roggenmehl + 100 ml lauwarmes Wasser verrühren Ansatz abgedeckt (nicht luftdicht) bei ca. 25 °C ruhen lassen
Tag 2 100 g Roggenmehl + 100 ml Wasser zugeben, gut verrühren Erste kleine Bläschen können sichtbar werden
Tag 3 100 g Roggenmehl + 100 ml Wasser zugeben Sauerteig riecht leicht säuerlich, Aktivität nimmt zu
Tag 4 100 g Roggenmehl + 100 ml Wasser zugeben Kräftige Blasenbildung, säuerlicher Geruch intensiver
Tag 5 Sauerteig ist reif → 1 Teil zum Backen verwenden, 1 Teil als Anstellgut aufbewahren Anstellgut kühl lagern (z. B. im Kühlschrank), regelmäßig auffrischen
👉 Dieses Anstellgut dient künftig als Starter für neue Sauerteigansätze.
4. Führungsarten von Sauerteigen
Im Bäckerhandwerk gibt es verschiedene Sauerteigführungen, die sich in Temperatur, Zeit und Anzahl der Stufen unterscheiden:
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Einstufenführung: Sauerteig wird in einem einzigen Schritt reif geführt (praktisch, weniger Aromatiefe).
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Zweistufenführung: Unterteilt in Grundsauer und Vollsauer. Liefert ausgewogenes Aroma.
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Dreistufenführung: Führt über Anfrischsauer, Grundsauer und Vollsauer → maximale Aromabildung und Triebkraft.
5. Typische Sauerteigarten
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Roggensauerteig: Klassischer Ansatz für Roggenbrot, kräftig aromatisch.
- Weizensauerteig: (Levain): In Frankreich und bei Baguettes beliebt, milder Geschmack.
- Lievito madre: Italienische Variante, sehr milder, fester Weizensauerteig, ideal für Panettone, Ciabatta & Pizza.
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Dinkelsauerteig: Mild, aber sensibler, da Dinkel weniger Kleberkraft hat.
6. Pflege und Haltbarkeit
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Ein Sauerteigansatz ist ein lebendiger Organismus.
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Bei Raumtemperatur muss er alle 1–2 Tage gefüttert werden (Mehl + Wasser).
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Im Kühlschrank hält er sich 1–2 Wochen ohne Fütterung.
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Zum „Wiederbeleben“ einfach mehrfach auffrischen.
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Sauerteig sollte nicht luftdicht verschlossen werden (Gärgase müssen entweichen).
7. Praxisbeispiel – Einfaches Roggenbrot mit Sauerteig
Zutaten:
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500 g Roggenmehl
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350 ml Wasser
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150 g reifer Sauerteig
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12 g Salz
Zubereitung:
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Alles verkneten, 30 Min. Teigruhe.
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Formen, 1–2 Stunden Gare.
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Bei 250 °C anbacken, dann 200 °C ca. 40 Min. backen.