Siegfried-Ansatz – der süße Sauerteig aus dem Westerwald

Der Siegfried-Ansatz, oft auch kurz „Siegfried“ genannt, ist eine besondere Form des süßen Sauerteigs. Er hat seinen Ursprung im Westerwald (Rheinland-Pfalz) und wird dort seit Generationen gepflegt. Viele Familien reichen ihn wie einen Schatz weiter, ähnlich wie den Hermann-Teig, nur eben für Brot statt für Kuchen.


Was ist der Siegfried-Ansatz?

Der Siegfried-Ansatz ist ein milder Sauerteig, der vor allem mit Weizen- oder Dinkelmehl geführt wird.

Er unterscheidet sich vom klassischen Roggensauerteig dadurch, dass er:

  • milder und leicht süßlich im Geschmack ist,

  • eine hellere, weiche Krume ergibt,

  • als unkompliziert gilt, weil er einfacher zu pflegen ist,

  • durch die lange Reifezeit eine gute Triebkraft entwickelt.

Man nennt ihn auch „süßen Starter“, da er ohne Essigsäurenote auskommt und dadurch Brote besonders bekömmlich und aromatisch macht.


Ursprung und Verbreitung

Der Siegfried-Ansatz entstand als Haushalts-Sauerteig im Westerwald. Ähnlich wie bei Hermann- oder Amish-Friendship-Teig wurde der Ansatz oft weitergegeben: Wer eine Portion erhielt, konnte daraus backen, etwas abnehmen und den Rest wieder füttern.

So wurde „Siegfried“ in vielen Familien weitergetragen – teilweise über Jahrzehnte hinweg.


Herstellung und Pflege

Ansetzen

Ein klassischer Siegfried-Ansatz wird aus folgenden Zutaten gestartet:

  • Weizenmehl (Typ 550 oder 1050, alternativ Dinkelmehl)

  • Wasser (lauwarm)

  • etwas Zucker oder Honig als „Futter“

  • manchmal ein kleiner Hefewürfel (traditionell nicht zwingend nötig, beschleunigt aber die Entwicklung)

Alles wird gründlich verrührt und über mehrere Tage regelmäßig gefüttert. Nach etwa 5–7 Tagen ist der Ansatz aktiv und triebfähig.

Pflege

  • „Siegfried“ lebt wie ein normaler Sauerteig und muss regelmäßig gefüttert werden (1 Teil Ansatz + 1 Teil Mehl + 1 Teil Wasser).

  • Wer ihn nicht täglich braucht, bewahrt ihn im Kühlschrank auf und frischt ihn einmal pro Woche auf.

  • So kann er jahrelang weitergeführt werden.

TagAktionHinweis
Tag 1Ansatz herstellen: 100 g Mehl, 100 ml lauwarmes Wasser, 1 TL Zucker/Honig vermischen.Abgedeckt bei Zimmertemperatur (22–24 °C) stehen lassen.
Tag 2Durchrühren + füttern: 50 g Mehl, 50 ml Wasser.Leicht abgedeckt ruhen lassen.
Tag 3Durchrühren + füttern: 50 g Mehl, 50 ml Wasser.Bläschenbildung beobachten.
Tag 4Durchrühren + füttern: 50 g Mehl, 50 ml Wasser.Geruch prüfen: mild-säuerlich ist richtig.
Tag 5Durchrühren + füttern: 50 g Mehl, 50 ml Wasser.Falls träge: etwas länger stehen lassen.
Tag 6Durchrühren + füttern: 50 g Mehl, 50 ml Wasser. Ansatz sollte nun aktiv blubbern.Sollte sich deutlich verdoppeln.
Tag 7Ansatz ist einsatzbereit! 200–300 g für Brot verwenden, Rest im Kühlschrank aufbewahren und weiter füttern.Vor jedem Backen am Vortag füttern, 1x/Woche pflegen.


Verwendung

Der Siegfried-Ansatz wird direkt als Triebmittel für Brotteige verwendet. Typische Anwendungen sind:

  • Weizen- und Dinkelbrote

  • Mischbrote

  • süßere Brotsorten (z. B. mit Milch, Honig oder Rosinen)

  • Brötchen und feine Kleingebäcke

👉 Vorteil: Oft wird keine zusätzliche Hefe benötigt, da der Ansatz genug Triebkraft besitzt.


Unterschiede zu anderen Teig-Ansätzen

  • Roggensauerteig: kräftiger, säuerlicher Geschmack; nötig für reine Roggenbrote.

  • Weizensauerteig (Levain): sehr ähnlich, aber meist international als „Levain“ bekannt.

  • Hermann-Teig: süßer Ansatz für Kuchen, mit Milch, Zucker und Öl geführt.

  • Siegfried: die „Brot-Variante“ – milder Sauerteig mit Fokus auf Weizen-/Dinkelbrote.


Vorteile des Siegfried-Ansatzes

  • Mildes Aroma – keine starke Säure, daher besonders beliebt für helle Brote.

  • Einfache Pflege – unkompliziert zu füttern, lange haltbar.

  • Vielseitig – sowohl für einfache Alltagsbrote als auch für kreative Backwaren geeignet.

  • Tradition – viele Backfans lieben ihn wegen seiner Geschichte und der „Weitergabe-Kultur“.


Beispielrezept: Einfaches Siegfried-Brot

Zutaten:

  • 300 g Siegfried-Ansatz

  • 500 g Weizenmehl Typ 1050

  • 300 ml Wasser (lauwarm)

  • 12 g Salz

Zubereitung:

  • Alle Zutaten zu einem geschmeidigen Teig kneten.

  • 2–3 Stunden ruhen lassen, bis er sichtbar aufgegangen ist.

  • Teig rund- oder langwirken, in ein Gärkörbchen legen und nochmals 60 Minuten gehen lassen.

  • Bei 240 °C (Ober-/Unterhitze) einschießen, nach 10 Minuten auf 200 °C reduzieren und 35–40 Minuten ausbacken.


Fazit

Der Siegfried-Ansatz-Teig ist ein traditionsreicher, milder Sauerteig, der für Hobbybäcker eine hervorragende Möglichkeit bietet, ohne Industriehefe aromatische und bekömmliche Brote zu backen. Er verbindet die Vorteile von Sauerteig mit einer unkomplizierten Handhabung und ist damit ein idealer „Starter“ für alle, die ins Sauerteigbacken einsteigen wollen.