Bäcker-Asthma – wenn das Handwerk zur Belastung wird

Das sogenannte Bäcker-Asthma ist eine der bekanntesten Berufskrankheiten im Bäckerhandwerk. Es handelt sich dabei um eine chronische Atemwegserkrankung, die vor allem durch den täglichen Umgang mit Mehlstaub und Backzutaten entstehen kann. Für Auszubildende und Beschäftigte im Bäckerhandwerk ist es daher wichtig, über Ursachen, Symptome und Schutzmaßnahmen informiert zu sein.


Was ist Bäcker-Asthma?

Unter Bäcker-Asthma versteht man eine allergisch bedingte Atemwegserkrankung, die durch das Einatmen von Mehlstaub und Zusatzstoffen ausgelöst wird. Typisch ist eine chronische Entzündung der Atemwege, die sich unbehandelt zu einem voll ausgeprägten Asthma bronchiale entwickeln kann.


Ursachen von Bäcker-Asthma

Die Hauptursache sind feine Stäube aus:

  • Mehl (Weizen, Roggen, Dinkel etc.)

  • Backhilfsmitteln (Enzyme, Backmittel, Zusatzstoffe)

  • Schimmelsporen, die in seltenen Fällen auftreten können

  • Mehlstaub: Besonders Weizen- und Roggenmehl enthalten Eiweißbestandteile (Allergene), die Atemwegsreizungen hervorrufen können.

  • Enzyme: z. B. Amylasen oder Backhilfsmittel, die in Backmischungen enthalten sind.

  • Zusatzstoffe: Gewürze (Zimt, Vanille), Sojamehl, Trockenfrüchte, Nüsse oder Schimmelpilzsporen.

Wenn diese Stäube über längere Zeit eingeatmet werden, kann der Körper allergisch reagieren. Besonders gefährdet sind Beschäftigte in Backstuben, die täglich mit offenen Mehlsäcken und großen Mehlmengen arbeiten.

Risikofaktoren

  • Dauerhafter Kontakt mit hohen Staubkonzentrationen.

  • Schlechte Belüftung in Backstuben.

  • Fehlender oder unzureichender Atemschutz.

  • Genetische Veranlagung für Allergien (atopische Erkrankungen).


Symptome

Typische Anzeichen von Bäcker-Asthma sind:

Bäcker-Asthma entwickelt sich oft schleichend. Typische Symptome sind:

    • Frühe Anzeichen

      • Niesanfälle, Fließschnupfen, Juckreiz in Nase und Augen („Bäckerschnupfen“)

      • Reizhusten, Kratzen im Hals

    • Fortschreitende Symptome

      • Atemnot bei Belastung

      • Engegefühl in der Brust

      • Pfeifende Atmung (Giemen)

      • Häufig wiederkehrende Bronchitis

    • Spätfolgen

      • Chronisches Asthma bronchiale

      • Einschränkung der Lungenfunktion

      • Arbeitsunfähigkeit im Bäckerberuf


Vorbeugung und Schutzmaßnahmen

Um das Risiko zu verringern, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Staubarme Arbeitsweise: Mehlsäcke vorsichtig öffnen, Mehl langsam einfüllen.

  • Absauganlagen: Moderne Bäckereien setzen spezielle Absaugsysteme ein, die den Mehlstaub aus der Luft filtern.

  • Persönliche Schutzausrüstung: Atemschutzmasken können helfen, sind jedoch im Alltag oft unbequem – daher wird vor allem auf Technik und Arbeitsorganisation gesetzt.

  • Hygiene: Regelmäßiges Reinigen von Arbeitsflächen und Geräten reduziert die Staubbelastung.

  • Früherkennung: Bei ersten Beschwerden sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.


Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch Fachärzte (Pneumologen, Allergologen):

  • Anamnese: Berufsverlauf, Symptome im Zusammenhang mit Arbeit.

  • Allergietests: Hauttests (Pricktest) oder Bluttests auf spezifische IgE-Antikörper.

  • Lungenfunktionstest: Prüfung der Atemkapazität.

  • Provokationstests: Gezieltes Einatmen geringer Allergenmengen (unter ärztlicher Kontrolle).


Behandlung

  • Allergenvermeidung: Zentrale Maßnahme ist die Reduktion oder Vermeidung von Mehlstaubkontakt.

  • Medikamentöse Therapie:

    • Antihistaminika (gegen allergische Reaktionen)

    • Kortisonsprays (entzündungshemmend)

    • Bronchodilatatoren (erweitern die Atemwege)

  • Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung): kann in manchen Fällen helfen.

  • Rehabilitation: Schulung zum Umgang mit Allergien und Atemwegserkrankungen.


Prävention im Betrieb

  • Technische Maßnahmen:

    • Absauganlagen an Maschinen

    • Automatische Dosier- und Mischsysteme

    • Gute Belüftung der Backstube

  • Organisatorische Maßnahmen:

    • Schulungen zum Umgang mit Mehl und Zusatzstoffen

    • Reduzierung offener Staubquellen (z. B. Abdecken von Behältern)

  • Persönliche Schutzmaßnahmen:

    • Tragen von Atemschutzmasken (FFP2/FFP3)

    • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

    • Schutzkleidung, Händehygiene


Berufskrankheit und Anerkennung

Bäcker-Asthma ist in Deutschland als Berufskrankheit Nr. 4301 anerkannt („durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen“).

  • Betroffene können Leistungen von der Berufsgenossenschaft beanspruchen.

  • Dazu gehören medizinische Behandlung, Reha-Maßnahmen oder in schweren Fällen Umschulung.

Rechtliche Aspekte

Bäcker-Asthma ist in Deutschland als Berufskrankheit (BK 4301) anerkannt. Betroffene können Leistungen der Berufsgenossenschaft in Anspruch nehmen, etwa für Behandlung, Reha-Maßnahmen oder in schweren Fällen Umschulungen. Arbeitgeber sind verpflichtet, den Arbeitsschutz ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen bereitzustellen.


Fazit

Bäcker-Asthma zeigt, dass das traditionsreiche Handwerk auch gesundheitliche Herausforderungen mit sich bringen kann. Durch moderne Technik, richtige Arbeitsmethoden und bewussten Umgang mit Mehlstaub lässt sich das Risiko jedoch deutlich reduzieren. Aufklärung und Prävention sind die wichtigsten Mittel, um Bäckern und Auszubildenden langfristig eine gesunde Karriere im Handwerk zu ermöglichen.