Manteltarifverträge – Bedeutung, Inhalte und Wirkung
Der Manteltarifvertrag (MTV) ist eine wichtige Form des Tarifvertrags im deutschen Arbeitsrecht. Er regelt grundlegende Rahmenbedingungen eines Arbeitsverhältnisses in einer bestimmten Branche oder einem bestimmten Betrieb und ergänzt damit andere Tarifverträge, etwa Lohn- und Gehaltstarifverträge.
Während Lohntarifverträge meist nur eine kurze Laufzeit haben (oft 1–2 Jahre), gilt ein Manteltarifvertrag in der Regel mehrere Jahre und sorgt so für langfristige Sicherheit und Verlässlichkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Rechtliche Grundlage
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Tarifverträge sind in den §§ 1–13 Tarifvertragsgesetz (TVG) geregelt.
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Vertragspartner:
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auf Arbeitgeberseite: Arbeitgeberverbände oder einzelne Arbeitgeber,
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auf Arbeitnehmerseite: Gewerkschaften.
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Gültig für Mitglieder der Vertragspartner – kann aber auch allgemeinverbindlich erklärt werden.
Inhalte eines Manteltarifvertrags
Ein Manteltarifvertrag regelt Rahmenbedingungen des Arbeitslebens, nicht die konkrete Höhe von Löhnen und Gehältern. Typische Inhalte sind:
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Arbeitszeitregelungen
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Dauer der Wochenarbeitszeit
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Schichtmodelle, Nachtarbeit, Sonntagsarbeit
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Pausen- und Ruhezeiten
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Urlaub
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Anzahl der Urlaubstage
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Sonderurlaub (z. B. bei Eheschließung, Geburt eines Kindes, Todesfall in der Familie)
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Eingruppierungen und Beschäftigungsarten
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Definition von Berufsgruppen und Tätigkeitsmerkmalen
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Regelungen für Teilzeit- oder Aushilfsbeschäftigte
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Kündigungsfristen
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über die gesetzlichen Mindestfristen hinausgehende Vereinbarungen
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ggf. Staffelung nach Betriebszugehörigkeit
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Arbeitsbedingungen
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Überstundenregelungen
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Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit
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Regelungen zu Arbeitskleidung und Werkzeug
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Sozialleistungen
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Weihnachts- oder Urlaubsgeld (sofern nicht gesondert geregelt)
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Zuschüsse für Fahrkosten oder Verpflegung
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Mitbestimmung und Rechte der Arbeitnehmer
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Beteiligung von Betriebsräten
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Rechte bei Versetzungen oder Umstrukturierungen
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Laufzeit und Geltung
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Manteltarifverträge gelten oft 3–5 Jahre, teilweise noch länger.
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Sie können gekündigt werden, wobei meist eine Nachwirkung gilt: Bestimmungen bleiben so lange in Kraft, bis ein neuer Vertrag abgeschlossen wird.
Vorteile des Manteltarifvertrags
Für Arbeitnehmer
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Rechtssicherheit und Transparenz über zentrale Arbeitsbedingungen.
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Bessere Konditionen als gesetzlich vorgeschrieben (z. B. längerer Urlaub, kürzere Arbeitszeiten).
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Schutz vor Willkür durch einheitliche Standards.
Für Arbeitgeber
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Einheitliche Rahmenbedingungen für alle Beschäftigten.
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Weniger individuelle Aushandlungen notwendig.
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Planungssicherheit für längere Zeiträume.
Unterschiede zu anderen Tarifverträgen
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Lohn- und Gehaltstarifvertrag: regelt ausschließlich Vergütungshöhen; kurze Laufzeiten (meist 12–24 Monate).
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Manteltarifvertrag: regelt allgemeine Arbeitsbedingungen; lange Laufzeit.
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Beide Verträge greifen ineinander und bilden zusammen die Grundlage für das Arbeitsverhältnis.
Beispiel: Manteltarifvertrag im Bäckerhandwerk
Im Bäckerhandwerk regeln Manteltarifverträge u. a.:
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Wochenarbeitszeit (z. B. 38 Stunden)
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Nachtarbeitszuschläge (z. B. ab 22 Uhr 25–50 %)
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Anspruch auf Arbeitskleidung
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Sonderurlaub bei Familienereignissen
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verlängerte Kündigungsfristen nach mehreren Beschäftigungsjahren