Triticale (× Triticosecale)
Definition
Triticale ist ein hybrides Getreide, das durch Kreuzung von Weizen (Triticum) und Roggen (Secale cereale) gezüchtet wurde. Der Name leitet sich von den Gattungsnamen Triticum und Secale ab. Ziel dieser Kreuzung war es, die hohe Ertragsleistung und Backeigenschaften des Weizens mit der Robustheit und Widerstandskraft des Roggens zu kombinieren.
Herkunft und Geschichte
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Erste Züchtungen: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts (ca. 1875) versuchten Botaniker, Weizen und Roggen zu kreuzen.
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Probleme: Lange Zeit war die Kreuzung schwierig, da die entstehenden Pflanzen steril waren.
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Durchbruch: Erst in den 1930er-Jahren gelang es, durch Verdopplung des Chromosomensatzes (Colchicin-Behandlung) fruchtbare Triticale zu erzeugen.
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Kommerzieller Anbau: Seit den 1970er-Jahren ist Triticale weltweit als Kulturpflanze etabliert.
Botanische Merkmale
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Wuchs: meist robust, 80–150 cm hoch.
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Ähren: ähneln dem Weizen, sind aber meist länger und dichter.
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Körner: größer als Roggenkörner, kürzer als Weizenkörner; farblich variabel (hellgelb bis gräulich).
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Eigenschaften: tiefreichendes Wurzelsystem (vom Roggen geerbt), gute Standfestigkeit und Kälteresistenz.
Anbau
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Standorte: gedeiht auch auf weniger fruchtbaren Böden, auf denen Weizen nicht mehr optimal wächst.
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Klima: verträgt Kälte und Trockenheit besser als Weizen, aber nicht so extrem wie reiner Roggen.
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Verbreitung:
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Hauptanbaugebiete: Europa (Polen, Deutschland, Frankreich), Nordamerika, China.
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Besonders wichtig in Polen, dem weltweit größten Produzenten.
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Ertrag: liegt zwischen Weizen und Roggen, stabil auch unter schwierigen Bedingungen.
Verwendung
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Tierfutter:
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Hauptverwendungszweck, da Triticale eiweiß- und energiereich ist.
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Besonders geeignet für Schweine- und Geflügelfütterung.
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Lebensmittel:
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Kann zu Mehl verarbeitet und in Broten genutzt werden, besitzt aber schwächere Backeigenschaften als Weizen.
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Eher für Mischbrote oder Fladenbrote geeignet.
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Industrie:
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Verwendung für Bioethanol, Stärkeproduktion und als Rohstoff für technische Anwendungen.
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Nährwert und Inhaltsstoffe
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Makronährstoffe: ca. 60–65 % Kohlenhydrate, 12–14 % Eiweiß, 2–3 % Fett, 8–10 % Ballaststoffe.
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Mikronährstoffe: Magnesium, Zink, Eisen, B-Vitamine.
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Besonderheiten:
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Höherer Eiweißgehalt als Roggen, vergleichbar oder höher als bei Weizen.
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Enthält Gluten, aber weniger kleberstark → eingeschränkte Backfähigkeit.
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Bedeutung heute
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Landwirtschaftlich: Triticale ist eine der wichtigsten „neuen Kulturpflanzen“ und wird weltweit auf mehreren Millionen Hektar angebaut.
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Ökologisch: Gilt als ertragssicher, robust und anpassungsfähig – interessant für den Anbau auf Grenzertragsstandorten.
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Ökonomisch: Besonders in Osteuropa bedeutend, da es dort in großem Maßstab als Futtergetreide dient.
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Zukunft: Triticale könnte im Zuge des Klimawandels noch wichtiger werden, da es gute Erträge auch unter widrigen Bedingungen liefert.