Fingerhirse (Eleusine coracana)
Definition
Fingerhirse (Eleusine coracana), auch als Ragi (in Indien), African millet oder Koracan-Hirse bekannt, ist eine Hirseart aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie zählt zu den ältesten Kulturpflanzen Afrikas und wird bis heute in großen Teilen Ostafrikas und Südasiens angebaut. Charakteristisch sind die fingerartig verzweigten Ähren, von denen sich der Name ableitet.
Herkunft und Geschichte
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Ursprung: Ostafrika, wahrscheinlich im Gebiet des heutigen Uganda oder Äthiopien.
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Domestikation: Bereits vor über 4.000 Jahren in Afrika kultiviert.
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Verbreitung: Gelang früh nach Indien (ca. 2.000 v. Chr.), wo Fingerhirse bis heute ein wichtiges Grundnahrungsmittel ist.
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Historische Bedeutung: Wurde in vielen Regionen Afrikas und Asiens als Hauptgetreide genutzt, ehe Mais und Reis an Bedeutung gewannen.
Botanische Merkmale
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Wuchs: einjähriges Gras, 60–120 cm hoch.
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Blütenstände: 4–10 lange, schlanke Ähren, die strahlenförmig wie Finger angeordnet sind.
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Körner: rundlich, 1–1,5 mm groß, meist rotbraun, aber auch gelblich oder weiß.
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Eigenschaft: Durch die feste Spelze gut lagerfähig, resistent gegen Schädlingsbefall.
Anbau
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Standorte: wächst auf armen, trockenen Böden; sehr robust gegenüber Dürre.
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Klimabedingungen: gedeiht in semiariden Regionen, bevorzugt Höhenlagen bis 2.500 m.
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Verbreitung heute:
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Afrika: Uganda, Tansania, Kenia, Äthiopien.
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Asien: Indien (größter Produzent, v. a. im Bundesstaat Karnataka), Nepal, Sri Lanka.
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Bedeutung: In Indien und Teilen Afrikas weiterhin Grundnahrungsmittel.
Verarbeitung
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Körner: müssen geschält und gemahlen werden, da sie sehr klein sind.
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Handelsformen: Mehl, Grieß, Flocken oder in ganzer Form.
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Traditionelle Verarbeitung: häufig fermentiert oder gekeimt → bessere Verdaulichkeit und Nährstoffaufnahme.
Verwendung
1. Lebensmittel:
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In Indien: Ragi Roti (Fladenbrot), Breie, Porridge, Kekse, Nudeln.
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In Afrika: Breie, Fladen und traditionelles Bier.
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Verwendung auch in Babynahrung und Diätkost.
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2. Getränke:
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Grundlage für fermentierte Getränke und Bier, z. B. in Uganda und Äthiopien.
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3. Tierfutter:
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In ländlichen Regionen auch als Viehfutter genutzt.
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Nährwert und Inhaltsstoffe
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Makronährstoffe: ca. 65–70 % Kohlenhydrate, 7–9 % Eiweiß, 1–2 % Fett, 3–4 % Ballaststoffe.
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Mikronährstoffe:
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Sehr hoher Calciumgehalt (bis zu 350 mg/100 g, einer der höchsten Werte unter Getreiden).
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Reich an Eisen, Magnesium, Kalium, Zink und B-Vitaminen.
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Besonderheiten:
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Glutenfrei, geeignet für Zöliakie-Ernährung.
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Hoher Ballaststoffgehalt → fördert Sättigung und stabile Blutzuckerwerte.
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In der traditionellen Medizin Indiens als stärkend und knochenfördernd geschätzt.
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Bedeutung
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Afrika: Wichtige Sicherheitspflanze in Dürrezeiten, da Fingerhirse auch bei schlechten Bedingungen Ertrag liefert.
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Indien: Zentrales Getreide für Millionen Menschen, besonders in Karnataka.
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Gesundheitlich: Aufgrund des hohen Calcium- und Eisenanteils zunehmend in der internationalen Reformkost nachgefragt.
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Zukunft: Gilt als klimaresistente Kulturpflanze mit großem Potenzial in Regionen, die vom Klimawandel betroffen sind.