Buchweizen (Fagopyrum esculentum)
Definition
Buchweizen ist eine Pflanzenart aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Trotz seines Namens gehört er nicht zu den echten Getreiden, sondern wird als Pseudogetreide bezeichnet, da seine Körner ähnlich wie Getreide genutzt werden. Buchweizen ist von Natur aus glutenfrei und wird sowohl als Lebensmittel als auch als Futterpflanze angebaut.
Herkunft und Geschichte
- Ursprung: Zentral- und Ostasien, vermutlich aus dem Gebiet des Himalaya stammend.
- Domestikation: In China bereits vor mehr als 4.000 Jahren kultiviert.
- Ausbreitung: Gelang über Zentralasien nach Osteuropa, Russland und im Mittelalter nach Mitteleuropa.
- Historische Bedeutung: Im 15.–18. Jahrhundert war Buchweizen in vielen Regionen Europas ein wichtiges Grundnahrungsmittel, ehe er von Kartoffeln, Mais und Weizen verdrängt wurde.
- Heute: Weltweite Verbreitung, Hauptanbaugebiete sind Russland, China, Ukraine, Polen, Frankreich und Nordamerika.
Botanische Merkmale
- Wuchs: einjährige, krautige Pflanze, 30–120 cm hoch.
- Blätter: dreieckig-herzförmig, sattgrün.
- Blüten: klein, weiß bis rötlich, reich an Nektar (wichtig für Bienen).
- Früchte: dreikantige Nüsschen (Körner), 4–6 mm lang, braun bis schwarz.
- Besonderheit: sehr kurze Vegetationszeit (10–12 Wochen), daher auch für den Spätanbau geeignet.
Anbau
- Standorte: wächst auf leichten, sauren Böden, relativ anspruchslos.
- Klima: bevorzugt gemäßigte Zonen, empfindlich gegenüber Frost.
- Fruchtfolge: wertvoll als Zwischenfrucht und Gründüngung, da er den Boden beschattet und Unkraut unterdrückt.
- Verbreitung heute: besonders bedeutend in Russland und China (zusammen >70 % der Weltproduktion).
Verarbeitung
- Körner: geschält (sog. „Grütze“) als Kochgetreide.
- Mehl: für Pfannkuchen, Nudeln, Backwaren.
- Flocken/Grieß: für Breie, Müslis.
- Nebennutzung: Schalen dienen als Füllmaterial für Kissen und Matratzen.
Verwendung
- Lebensmittel:
- In Osteuropa: Buchweizengrütze („Kascha“) als traditionelles Gericht.
- In Frankreich: „Galettes“ (herzhafte Crêpes) aus Buchweizenmehl.
- In Russland und Polen: Suppen, Breie und Beilagen.
- In Japan: Soba-Nudeln aus Buchweizenmehl.
- In Reformkost: glutenfreie Backwaren, Müslis, Snacks.
- Futtermittel:
- Für Geflügel, Schweine und Rinder.
- Medizinisch:
- Enthält den sekundären Pflanzenstoff Rutin, der gefäßschützend wirkt.
- In der Naturheilkunde traditionell bei Venenschwäche und Bluthochdruck genutzt.
Nährwert und Inhaltsstoffe
- Makronährstoffe (100 g geschälte Körner):
- 65–70 % Kohlenhydrate
- 10–12 % Eiweiß
- 3 % Fett
- 5–10 % Ballaststoffe
- Mikronährstoffe:
- Magnesium, Kalium, Eisen, Zink, Mangan
- Vitamine der B-Gruppe, Vitamin E
- Besonderheiten:
- Glutenfrei → geeignet für Zöliakie-Betroffene.
- Hoher Gehalt an Lysin, einer essenziellen Aminosäure, die bei echten Getreiden oft fehlt.
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Rutin, Quercetin) wirken antioxidativ.
Bedeutung heute
- Ernährung: Renaissance in der Vollwert- und glutenfreien Ernährung.
- Ökologisch: wertvolle Bienenweide, fördert Biodiversität.
- Wirtschaftlich: Besonders in Osteuropa und Asien wichtig; in Westeuropa eher Nischenkultur.
- Kulturell: Fester Bestandteil regionaler Küchen (z. B. Bretagne, Russland, Japan).
- Zukunft: Aufgrund seiner kurzen Vegetationszeit, Robustheit und ernährungsphysiologischen Vorteile gilt Buchweizen als interessante Pflanze für nachhaltige Landwirtschaft.