Quinoa (Chenopodium quinoa)

Definition

Quinoa ist eine Pflanzenart aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Botanisch gehört sie nicht zu den echten Getreiden, sondern wird als Pseudogetreide bezeichnet, da ihre Körner wie Getreide genutzt werden. Quinoa ist von Natur aus glutenfrei, reich an Eiweiß, Mineralstoffen und ungesättigten Fettsäuren und gilt heute weltweit als „Superfood“.


Herkunft und Geschichte

  • Ursprung: Andenregion Südamerikas (Peru, Bolivien, Ecuador, Chile).

  • Domestikation: Bereits vor rund 5.000–7.000 Jahren kultiviert.

  • Tradition: Grundnahrungsmittel der Inka, die Quinoa als „Mutterkorn“ verehrten.

  • Verdrängung: Mit der spanischen Kolonialisierung wurde Quinoa zugunsten von Weizen und Gerste zurückgedrängt.

  • Wiederentdeckung: Seit den 1980er-Jahren international als nährstoffreiches, glutenfreies Lebensmittel populär.


Botanische Merkmale

  • Wuchs: einjährige, krautige Pflanze, 0,5–2 m hoch.

  • Blätter: variabel, oft dreieckig, grün bis rötlich.

  • Blütenstände: dichte Rispen, grün, gelb oder rötlich.

  • Samen: klein (1,5–2,5 mm), rundlich, farblich variabel (weiß, gelb, rot, schwarz).

  • Besonderheit: Samen enthalten Saponine, die bitter schmecken und vor dem Verzehr entfernt oder ausgewaschen werden müssen.


Anbau

  • Standorte: wächst auf Höhenlagen bis 4.000 m in den Anden, toleriert Frost, Trockenheit und salzhaltige Böden.

  • Klimabedingungen: extrem anpassungsfähig, gedeiht in kalten wie warmen Regionen.

  • Verbreitung heute:

    • Hauptanbau: Peru und Bolivien (größte Exporteure).

    • Neue Anbaugebiete: USA, Kanada, Europa (Spanien, Frankreich, Deutschland), Indien.

  • Vorteil: robust, resistent gegen Klimaschwankungen, kurze Vegetationszeit (90–120 Tage).


Verarbeitung

  • Körner: gekocht wie Reis oder Couscous.

  • Mehl: für Brot, Kekse, Pasta, glutenfreie Backwaren.

  • Flocken: in Müslis, Riegeln, Babynahrung.

  • Saponine: werden durch Waschen oder Schälen entfernt, um den bitteren Geschmack zu neutralisieren.


Verwendung

1. Lebensmittel:

  • Beilage (gekochte Körner).
  • Grundlage für Salate, Bowls, Suppen und Eintöpfe.
  • In Lateinamerika traditionell in Suppen und Breien.
  • In glutenfreier Ernährung: Mehl für Brot, Nudeln, Gebäck.

2. Getränke:

  • In den Anden: fermentierte Getränke („Chicha“).

3. Industrie:

  • Verwendung in protein- und mineralstoffreichen Diätprodukten.

Nährwert und Inhaltsstoffe (pro 100 g roher Samen)

  • Makronährstoffe:

    • 60–65 % Kohlenhydrate

    • 13–16 % Eiweiß

    • 5–6 % Fett

    • 7–8 % Ballaststoffe

  • Mikronährstoffe:

    • Magnesium, Eisen, Zink, Kalium, Mangan

    • Vitamine der B-Gruppe, Vitamin E

  • Besonderheiten:

    • Glutenfrei → geeignet für Zöliakie-Betroffene.

    • Eiweiß enthält alle essenziellen Aminosäuren, besonders viel Lysin und Methionin.

    • Reich an ungesättigten Fettsäuren (v. a. Linolsäure, α-Linolensäure).

    • Antioxidative sekundäre Pflanzenstoffe.


Bedeutung heute

  • Global: Wichtiger Exportartikel Südamerikas; wachsende Märkte in Europa, Nordamerika und Asien.

  • Ernährung: Beliebt in der veganen, vegetarischen und glutenfreien Küche; gilt als vollwertige Alternative zu Reis und Weizen.

  • Ökologisch: Hohe Anpassungsfähigkeit macht Quinoa interessant für den Anbau in Regionen mit Klimarisiken.

  • Kulturell: In den Anden weiterhin festes Grundnahrungsmittel und mit ritueller Bedeutung verbunden.

  • Zukunft: Aufgrund seines Nährstoffprofils und seiner Robustheit wird Quinoa von der FAO (Welternährungsorganisation) als wichtige Kulturpflanze für die Ernährungssicherheit im 21. Jahrhundert eingestuft.