Roter Reis (Oryza sativa var. rubra und andere pigmentierte Varietäten)

Definition

Roter Reis ist ein Sammelbegriff für verschiedene pigmentierte Reissorten, deren äußere Schichten durch Anthocyane und andere sekundäre Pflanzenstoffe eine rötliche bis rotbraune Färbung besitzen. Er wird überwiegend als Vollkornreis angeboten und zeichnet sich durch kräftigen, nussig-erdigen Geschmack, aromatische Textur und hohen Nährstoffgehalt aus.


Herkunft und Geschichte

  • Asien: In Bhutan und Südindien wird Roter Reis seit Jahrhunderten kultiviert. In Thailand ist „Thai Red Cargo Rice“ weit verbreitet.

  • Europa: In Frankreich wird in der Camargue-Region Roter Reis angebaut (bekannt als „Riz Rouge de Camargue“).

  • Tradition: In vielen Kulturen galt Roter Reis als „besonderes“ oder „heilkräftiges“ Lebensmittel, oft für Feste und Rituale verwendet.


Botanische Merkmale

  • Kornform: Mittelkorn bis Langkorn, unpoliert.

  • Farbe: Die Schale ist rot bis rotbraun; das Endosperm im Inneren weiß.

  • Pigmente: Anthocyane und Proanthocyanidine sorgen für die rötliche Färbung.

  • Kochverhalten: Längere Kochzeit als Weißreis (ca. 30–40 Minuten). Körner bleiben fest, färben beim Kochen die Flüssigkeit rötlich.


Anbau

  • Regionen: Südostasien (Thailand, Bhutan, Sri Lanka), Südasien (Indien), Afrika, Europa (Camargue in Frankreich, kleinere Anbauflächen in Italien).

  • Kultivierung: Ähnlich wie bei anderem Reis – Nass- oder Trockenanbau.

  • Sorten:

    • Bhutanischer Roter Reis – Mittelkorn, besonders aromatisch.

    • Thai Red Cargo Rice – Langkorn, kräftig im Geschmack.

    • Camargue-Reis – Europäische Spezialität, durch geschützte geografische Angabe (g.g.A.) abgesichert.


Verarbeitung

Roter Reis wird fast ausschließlich als Naturreis (unpoliert) vermarktet, da die rote Färbung in den Randschichten liegt. Polierter Weißreis aus roten Sorten verliert die charakteristische Farbe und den Großteil der Nährstoffe.


Verwendung

1. Kulinarisch:

    • Als Beilage zu Gemüse- und Fleischgerichten.

    • In asiatischen Currys, Salaten, Bowls und Suppen.

    • In der mediterranen Küche für Spezialitäten (z. B. Risotto mit Camargue-Reis).

2. Gesundheitskost:

  • Beliebt in der Vollwert- und Naturküche, häufig in Bio- und Reformhäusern angeboten.

3. Traditionell:

    • In Südindien Bestandteil von Festmahlen.

    • In Bhutan Grundnahrungsmittel, meist mit Currys kombiniert.


Nährwert und Inhaltsstoffe

  • Makronährstoffe: ca. 70–75 % Kohlenhydrate, 7–9 % Eiweiß, 2–3 % Fett, 3–4 % Ballaststoffe.

  • Mikronährstoffe: Hohe Gehalte an Magnesium, Eisen, Zink, Mangan.

  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Anthocyane und Proanthocyanidine wirken antioxidativ, entzündungshemmend und gefäßschützend.

  • Besonderheit: Glutenfrei, ernährungsphysiologisch hochwertiger als Weißreis.


Bedeutung

  • Weltweit: Roter Reis nimmt nur einen kleinen Teil der weltweiten Reisproduktion ein, gewinnt aber durch den Trend zu gesunder Ernährung und „Superfoods“ an Popularität.

  • Ökonomisch: Spezialprodukt mit höherem Marktpreis; wichtig für Nischenmärkte und den ökologischen Landbau.

  • Kulturell: In vielen Regionen Symbol für Fruchtbarkeit, Gesundheit und Wohlstand.