Das süß-würzige Traditionsgewürz
Einführung
Anis (Pimpinella anisum), auch süßer Kümmel genannt, gehört zu den ältesten Gewürz- und Heilpflanzen der Menschheit. Die kleinen graugrünen Früchte zeichnen sich durch ihren süßlich-aromatischen, leicht lakritzartigen Geschmack aus und sind fester Bestandteil sowohl der europäischen Küche als auch vieler traditioneller Heilverfahren.
Ob in Brot, Tee, Süßspeisen oder Likören – Anis prägt mit seinem charakteristischen Aroma kulinarische Traditionen rund um den Globus.
Herkunft und Geschichte
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Ursprung: östliches Mittelmeergebiet und Vorderasien.
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Antike: Schon die Ägypter nutzten Anis als Heil- und Gewürzpflanze; die Römer aromatisierten damit Brote und Kuchen.
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Mittelalter: In Klostergärten als wichtige Heilpflanze kultiviert.
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Neuzeit: Über Handelswege in ganz Europa verbreitet, vor allem als Back- und Likörgewürz.
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Heute: Hauptanbaugebiete sind Südeuropa, Türkei, Syrien, Indien und Mexiko.
Pflanze und Erscheinungsbild
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Familie: Doldenblütler (Apiaceae).
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Wuchs: einjährige, krautige Pflanze, 40–60 cm hoch.
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Blätter: tief gelappt, hellgrün.
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Blüten: weiße, kleine Doldenblüten.
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Früchte (Samen): kleine, ovale, graugrüne Spaltfrüchte mit feinen Rippen (ca. 3–5 mm lang).
Geschmack und Aroma
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Geschmack: süßlich, warm, lakritzartig, aromatisch.
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Hauptaromastoff: Anethol (80–90 % des ätherischen Öls).
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Besonderheit: milder und süßer als Sternanis, Fenchel oder Kümmel.
Verwendung in der Küche
Europa
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Backwaren: Anisbrot, Springerle, Lebkuchen.
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Süßspeisen: Aniskekse, Kompott, Milchreis.
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Getränke: Tees, Liköre wie Anisette, Ouzo, Pastis, Raki.
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Herzhafte Gerichte: in Würsten, Kohl- und Gemüsegerichten (seltener, aber traditionell in einigen Regionen).
Asien und Orient
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Verwendung in Gewürzmischungen und Süßspeisen.
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In der indischen Küche oft in Chutneys und Lassi.
Tipp: Anisfrüchte am besten leicht zerstoßen oder rösten, um das Aroma zu verstärken.
Gesundheitliche Aspekte
Anis ist seit Jahrhunderten nicht nur ein Gewürz, sondern auch ein bewährtes Heilmittel, vor allem für Verdauung und Atemwege.
Inhaltsstoffe
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Ätherisches Öl: 2–6 %, davon bis zu 90 % Anethol.
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Flavonoide und Cumarine.
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Mineralstoffe: Calcium, Eisen, Magnesium.
Wirkungen
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Verdauungsfördernd: lindert Blähungen, Völlegefühl und leichte Krämpfe.
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Schleimlösend: bei Husten und Bronchitis.
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Beruhigend: milde entspannende Wirkung, fördert Schlaf und Wohlbefinden.
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Stillfördernd: traditionell zur Unterstützung der Milchbildung verwendet.
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Antibakteriell und antimykotisch.
Anwendungen
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Anis-Tee: aus zerstoßenen Früchten bei Erkältungen oder Magen-Darm-Beschwerden.
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Anisöl: in Hustensäften, Pastillen und für Aromatherapie.
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Aniswasser: traditionelles Hausmittel für Säuglinge gegen Blähungen (nur in verdünnter Form).
Aufbewahrung
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Ganze Früchte: kühl, trocken und lichtgeschützt mehrere Jahre haltbar.
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Gemahlen: verliert rasch an Aroma, besser frisch zerkleinern.
Unterschiede zu ähnlichen Gewürzen
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Anis (Pimpinella anisum): süßlich, mild, lakritzartig.
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Sternanis (Illicium verum): intensiver, leicht bitter, stärker.
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Fenchel (Foeniculum vulgare): süßlich, aber krautiger und milder.
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Kümmel (Carum carvi): würzig, anisartig, mit bitteren Noten.