Das aromatische Saatgut des Gartendills
Einführung
Dillfrüchte, auch bekannt als Dillsamen, sind die getrockneten Früchte des Gartendills (Anethum graveolens). Während die zarten Dillspitzen als beliebtes Küchenkraut in Suppen, Salaten oder Gurken genutzt werden, finden die Früchte traditionell vor allem als Gewürz- und Heilmittel Verwendung. Mit ihrem würzig-warmen, leicht herben Aroma bereichern sie die Küche, gelten aber auch als bewährtes Mittel bei Verdauungsbeschwerden.
Herkunft und Geschichte
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Ursprung: Vermutlich im östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien.
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Antike: Schon bei den Ägyptern, Griechen und Römern beliebt – sie nutzten Dillfrüchte sowohl in Speisen als auch als Heilmittel.
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Mittelalter: Bestandteil vieler Klostergärten; Hildegard von Bingen empfahl Dill bei Magenproblemen.
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Heute: Dill wird weltweit angebaut – von Europa über Indien bis Nordamerika – und ist sowohl als Küchenkraut als auch wegen seiner Früchte verbreitet.
Pflanze und Erscheinungsbild
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Gattung: Anethum graveolens gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae).
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Wuchs: Einjährige Pflanze, 40–120 cm hoch.
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Blätter: fein gefiedert, zartgrün.
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Blüten: gelbe Doldenblüten, typisch für die Doldenblütler.
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Früchte (Samen): braun bis graubraun, länglich-oval, 3–5 mm groß, flach mit feinen Rippen.
Geschmack und Aroma
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Geschmack: würzig, warm, leicht süßlich, mit Anklängen an Kümmel und Anis, jedoch milder.
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Aroma: intensiver als die zarten Dillblätter, mit einem Hauch Bitterkeit.
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Ätherisches Öl: reich an Carvon und Limonen, die auch Kümmel und Koriander prägen.
Verwendung in der Küche
Europa
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Einlegen: Unverzichtbar für Gurken, Sauerkraut und Mixed Pickles.
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Brot und Backwaren: geben Broten ein würziges, rustikales Aroma.
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Suppen & Eintöpfe: besonders in osteuropäischer Küche.
Indien & Asien
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Verwendung in Currymischungen, Chutneys und als Verdauungsgewürz nach schweren Mahlzeiten.
Getränke
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Dillfrüchte werden traditionell für Kräuterliköre und Verdauungsschnäpse eingesetzt.
Tipp: Ganze Früchte entfalten ihr Aroma langsamer, gemahlen wirken sie intensiver, verlieren aber schneller an Geschmack.
Gesundheitliche Aspekte
Dillfrüchte gelten seit der Antike als Heilmittel für Magen und Verdauung.
Inhaltsstoffe
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Ätherisches Öl: 2–4 % (Carvon, Limonen, Dillapiol).
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Flavonoide und Cumarine.
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Mineralstoffe: Calcium, Eisen, Magnesium.
Wirkungen
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Verdauungsfördernd: lindern Blähungen, Völlegefühl, leichte Krämpfe.
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Entblähend: besonders hilfreich für Kinder und Säuglinge (Dillwasser).
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Appetitanregend: steigert Speichelfluss und Magensaftproduktion.
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Beruhigend: leichte entspannende Wirkung.
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Stillfördernd: traditionell zur Unterstützung der Milchbildung genutzt.
Anwendungen
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Dilltee: aus zerstoßenen Früchten bei Magen-Darm-Beschwerden.
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Dillöl: in der Aromatherapie und Naturheilkunde.
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Dillwasser: in der Kinderheilkunde bei Blähungen.
Aufbewahrung
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Ganze Früchte: kühl, trocken und lichtgeschützt mehrere Jahre haltbar.
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Gemahlen: sollten rasch verbraucht werden, da die ätherischen Öle schnell verfliegen.
Unterschiede zu Dillkraut
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Dillkraut (Blätter): frisch, mild, fein, vor allem für Gurkensalat, Fisch, Quark.
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Dillfrüchte (Samen): kräftig, würzig, aromatisch, besonders zum Einlegen und für Heilzwecke.