Das traditionsreiche Öl- und Gewürzsaatgut
Einführung
Mohnsamen stammen von der Pflanze Papaver somniferum, dem Schlafmohn, und gehören zu den ältesten vom Menschen genutzten Kulturpflanzen. Seit Jahrtausenden werden sie in Asien und Europa als Nahrungsmittel, Heilmittel und Öllieferant verwendet. Während der Schlafmohn auch für die Gewinnung von Opium bekannt ist, sind die Samen selbst frei von Rauschwirkung und zeichnen sich durch einen nussigen Geschmack und einen hohen Nährwert aus.
Heute finden Mohnsamen in Backwaren, Süßspeisen, Ölen und als Gewürz breite Anwendung – besonders in Mitteleuropa, Indien und dem Nahen Osten.
Herkunft und Geschichte
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Ursprung: Vermutlich im östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien.
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Archäologische Funde: Schon in der Jungsteinzeit (ca. 5.000 v. Chr.) wurden Mohnsamen in Siedlungen nachgewiesen.
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Antike: Griechen und Römer nutzten Mohnsamen in Speisen und für medizinische Zwecke.
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Mittelalter: Mohn wurde in Klostergärten angebaut, vor allem als Öl- und Heilpflanze.
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Heute: Bedeutende Anbaugebiete sind Mitteleuropa (Österreich, Deutschland, Tschechien), Indien, Türkei und Australien.
Sorten und Aussehen
Mohnsamen sind winzig, nierenförmig und etwa 1 mm groß. Es gibt verschiedene Sorten, die sich vor allem in der Farbe unterscheiden:
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Blauer Mohn: am weitesten verbreitet in Mitteleuropa, intensiv nussig, kräftiges Aroma.
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Grauer Mohn: besonders in Österreich (Waldviertler Mohn), milder und feiner im Geschmack.
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Weißer Mohn: vor allem in Indien genutzt, süßlicher und milder, häufig in Süßspeisen und Currys.
Geschmack und Aroma
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Nussig, leicht süßlich, bei frischem Mohn mild, bei altem Mohn bitter (durch Oxidation der Öle).
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Intensiv, wenn er gemahlen oder gekocht wird, da die ätherischen Öle freigesetzt werden.
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Besonders beliebt in Kombination mit Zucker, Honig, Milchprodukten und Teigwaren.
Verwendung in der Küche
Europa
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Backwaren: Mohnstrudel, Mohnschnecken, Mohnbrötchen.
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Desserts: Mohnnudeln, Germknödel mit Mohn und Zucker.
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Deftige Gerichte: In Böhmen und Österreich auch in herzhaften Teigwaren.
Naher Osten & Indien
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Currys & Saucen: Weißer Mohn dient als Bindemittel und Geschmacksgeber.
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Gewürzmischungen: Bestandteil von Masalas und Pasten.
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Süßspeisen: Halwa, Kheer und Mohngebäck.
Ölherstellung
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Aus Mohnsamen wird Mohnöl gepresst – ein hochwertiges Speiseöl mit mild-nussigem Geschmack, das in Salaten, Dressings und als Feinschmeckeröl verwendet wird.
Gesundheitliche Aspekte
Nährstoffe
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Fettgehalt: ca. 40–50 %, vor allem ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure).
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Eiweiß: 20–25 %, reich an essentiellen Aminosäuren.
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Ballaststoffe: ca. 20 %.
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Mineralstoffe: sehr hoher Gehalt an Calcium, Eisen, Magnesium, Zink und Mangan.
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Vitamine: vor allem B-Vitamine.
Gesundheitswirkung
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Knochengesundheit: dank des hohen Calciumgehalts.
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Herz-Kreislauf: ungesättigte Fettsäuren fördern gesunde Blutfettwerte.
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Verdauung: ballaststoffreich, unterstützt die Darmfunktion.
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Entspannung: traditionell wird Mohn eine leicht beruhigende Wirkung zugeschrieben.
Hinweis zu Alkaloiden
Die Samen enthalten selbst keine nennenswerten Mengen an Morphin oder Codein. Spuren können nur entstehen, wenn die Samen bei der Ernte mit Pflanzenteilen in Kontakt kommen. Für den normalen Verzehr sind Mohnsamen unbedenklich.
Aufbewahrung
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Empfindlich gegenüber Licht und Wärme, da die Öle schnell ranzig werden.
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Ganze Samen sind länger haltbar als gemahlene.
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Am besten luftdicht, kühl und dunkel lagern; gemahlenen Mohn bald verbrauchen oder einfrieren.