Der „harte Baum“ Südamerikas
Einführung
Quebracho ist die Bezeichnung für mehrere südamerikanische Bäume, deren Name vom spanischen Ausdruck quiebra-hacha („Axtbrecher“) stammt – ein Hinweis auf das extrem harte Holz. Neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung als Bau- und Brennholz spielt Quebracho auch eine wichtige Rolle als Lieferant von Gerbstoffen und Bitterstoffen, die in der Lederverarbeitung und in der Medizin genutzt werden.
In der Welt der Gewürze und pflanzlichen Rohstoffe ist Quebracho vor allem wegen seiner rindenhaltigen Gerbstoffe und Bitterstoffe interessant, die regional in Heilmitteln, Stärkungsmitteln und auch in der Getränkeindustrie (z. B. Bitterspirituosen) Verwendung finden.
Herkunft und Verbreitung
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Arten: Der Begriff „Quebracho“ umfasst mehrere Arten, v. a.:
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Schinopsis balansae und Schinopsis lorentzii (Rot-Quebracho, besonders gerbstoffreich).
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Aspidosperma quebracho-blanco (Weiß-Quebracho, medizinisch genutzt).
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Vorkommen: Südamerika – Argentinien, Paraguay, Bolivien, Brasilien.
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Habitat: trockene Wälder und Savannen.
Pflanze und Eigenschaften
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Rot-Quebracho: sehr dichtes, schweres, rötliches Holz, extrem hart.
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Weiß-Quebracho: heller, ebenfalls sehr hart, aber weniger gerbstoffreich.
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Rinde: reich an Tanninen (Gerbstoffen) und Bitterstoffen, die industriell und medizinisch genutzt werden.
Verwendung
1. Industrie
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Gerbstofflieferant: Rot-Quebracho-Rinde enthält bis zu 20–30 % Tannine und war im 19./20. Jahrhundert einer der wichtigsten Rohstoffe für die Ledergerbung weltweit.
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Holz: extrem widerstandsfähig, genutzt für Eisenbahnschwellen, Brückenbau, Möbel, Pfähle.
2. Getränke und Gewürzindustrie
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Extrakte aus der Rinde werden für Bitterliköre, Tonics und Kräuterbitters eingesetzt.
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In Südamerika wird Quebracho-Rinde teils als zusätzlicher Bitterstoff in Mate-Mischungen oder traditionellen Getränken genutzt.
3. Medizin und Naturheilkunde
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Weiß-Quebracho (Aspidosperma quebracho-blanco):
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traditionell in Südamerika als Heilmittel gegen Asthma, Husten und Atemnot verwendet.
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Extrakte enthalten Alkaloide (v. a. Quebrachin), die bronchienerweiternd wirken.
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Rot-Quebracho: wegen der Tannine eher adstringierend und als Gerbstofflieferant von Bedeutung.
Inhaltsstoffe
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Rot-Quebracho: reich an Tanninen (bis zu 30 %), Catechine, Polyphenole.
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Weiß-Quebracho: enthält Alkaloide wie Aspidospermin und Quebrachin, die auf das Atemsystem wirken.
Geschmack und Aroma
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Rot-Quebracho: herb, stark bitter, adstringierend.
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Weiß-Quebracho: ebenfalls bitter, aber medizinisch wirksamer und weniger als Würze genutzt.
Gesundheitliche Aspekte
Traditionelle Wirkungen
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Weiß-Quebracho:
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schleimlösend, krampflösend, bronchienerweiternd.
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Anwendung bei Asthma, Bronchitis und Atemnot.
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Rot-Quebracho:
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adstringierend durch Gerbstoffe.
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früher äußerlich bei Hautkrankheiten genutzt.
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Moderne Bewertung
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Einige Alkaloide können in höheren Dosen toxisch wirken.
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Anwendung heute meist in Form standardisierter Präparate oder in der Volksmedizin.
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Tannine wirken antioxidativ und antimikrobiell, werden aber hauptsächlich industriell genutzt.
Aufbewahrung
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Rinde & Extrakte: licht- und luftgeschützt lagern, da die Gerbstoffe mit Sauerstoff reagieren.
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Medizinische Präparate: nur in standardisierter Form anwenden, da Dosierung wichtig ist.
Kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung
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Argentinien & Paraguay: große wirtschaftliche Rolle durch Gerbstoffexporte im 19./20. Jahrhundert.
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Ökologische Probleme: massive Abholzung von Quebracho-Wäldern hat zu starker Entwaldung im Gran Chaco geführt.
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Symbolik: Der „Axtbrecher“ gilt in Südamerika als Symbol für Härte, Stärke und Beständigkeit.
Fazit
Quebracho ist weit mehr als nur ein „hartes Holz“:
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Rot-Quebracho ist berühmt für seinen hohen Gerbstoffgehalt, der es zu einem bedeutenden Rohstoff für die Lederindustrie und für Bittergetränke machte.
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Weiß-Quebracho hat dagegen einen festen Platz in der traditionellen Medizin Südamerikas, insbesondere zur Behandlung von Atemwegserkrankungen.