Die Quelle des Lakritzgeschmacks

Einführung

Die Süßholzwurzel stammt von der Pflanze Süßholz (Glycyrrhiza glabra), die zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) gehört. Seit über 3.000 Jahren ist sie als Heil- und Genussmittel bekannt – von der traditionellen chinesischen Medizin über die ägyptische Pharaonenkultur bis hin zur europäischen Klostermedizin.

Die Wurzel besitzt einen intensiv süßen, aromatischen Geschmack, der durch den Inhaltsstoff Glycyrrhizin entsteht. Dieser ist bis zu 50-mal süßer als Zucker und macht Süßholz zu einer wichtigen Grundlage für Lakritz, Süßwaren, Getränke und Arzneimittel.


Herkunft und Geschichte

  • Ursprung: Mittelmeerraum und Westasien; inzwischen auch in Südosteuropa, Iran, Indien und China verbreitet.

  • Antike: In Ägypten wurde Süßholz bereits vor über 3000 Jahren als Heilmittel genutzt. Berühmtheit erlangte es durch Funde im Grab des Pharaos Tutanchamun.

  • Griechische und römische Medizin: eingesetzt bei Husten, Magenleiden und zur Stärkung.

  • Traditionelle chinesische Medizin (TCM): gilt als harmonisierendes Grundkraut, das viele Rezepturen ausgleicht.

  • Heute: Weltweit genutzt, besonders in Europa für Lakritz, in Asien für Tees und Heilmittel.


Pflanze und Wurzel

  • Wuchs: mehrjährige, bis 1,5 m hohe Staude.

  • Blätter: gefiedert, grün.

  • Blüten: blassviolett bis blau.

  • Wurzel: kräftige, gelblich-braune Pfahlwurzel mit vielen Ausläufern.

  • Ernte: erfolgt meist nach 3–4 Jahren Wachstum.


Geschmack und Aroma

  • Geschmack: intensiv süß, mit würzig-erdigen und leicht bitteren Noten.

  • Aroma: warm, holzig, an Anis und Fenchel erinnernd.

  • Hauptaromastoff: Glycyrrhizin, daneben Flavonoide, Saponine und ätherische Öle.


Inhaltsstoffe

  • Glycyrrhizin: stark süßend, entzündungshemmend, auswurffördernd.

  • Flavonoide: antioxidativ.

  • Saponine: schleimlösend, immunmodulierend.

  • Gerbstoffe: adstringierend.


Verwendung in der Küche

Süßwaren

  • Lakritz: Hauptzutat, oft kombiniert mit Zucker, Stärke, Anisöl oder Salmiak.

  • Konfekt und Bonbons.

Getränke

  • Tees: als natürliche Süße in Kräutermischungen.

  • Liköre und Spirituosen: Bestandteil von Ouzo, Sambuca, Pastis und einigen Kräuterlikören.

  • Cola und Bittergetränke: Aromakomponente in Cola-Rezepturen und in Campari.

Würze

  • In der orientalischen und asiatischen Küche als Gewürz für Fleisch- und Reisgerichte.

  • Pulverisierte Wurzel als Zutat in Currys oder Chutneys.


Gesundheitliche Aspekte

Traditionelle Heilwirkungen

  • Hustenmittel: schleimlösend, auswurffördernd.

  • Magenmittel: schützt Magenschleimhaut, lindert Sodbrennen und Gastritis.

  • Entzündungshemmend: bei Atemwegs- und Hauterkrankungen.

  • Stärkend: als Tonikum und zur Regulierung des Hormonhaushalts (Nebennieren).

Moderne Forschung

  • Glycyrrhizin wirkt antiviral (gegen einige Viren, inkl. Herpes).

  • Antioxidativ und immunsystemmodulierend.

Vorsicht

  • Übermäßiger Verzehr (z. B. viel Lakritz) kann durch Glycyrrhizin zu Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und Kaliummangel führen.

  • Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder Bluthochdruck sollten Süßholz nur in Maßen genießen.


Aufbewahrung

  • Getrocknete Wurzelstücke: kühl und trocken, mehrere Jahre haltbar.

  • Pulver: luftdicht lagern, da es leicht Feuchtigkeit zieht.

  • Extrakte: in Pasten oder Flüssigkeiten lange haltbar.


Kulturelle Bedeutung

  • In Europa stark mit Lakritz-Kultur (besonders in Skandinavien, Niederlande, Deutschland) verbunden.

  • In Asien tief verwurzelt in der TCM und Ayurveda.

  • Symbolisch galt die Wurzel als Lebensspender und wurde oft als Schutz- und Heilpflanze verehrt.


Fazit

Die Süßholzwurzel ist eine einzigartige Verbindung aus Gewürz, Süßstoff und Heilmittel. Sie prägt bis heute sowohl die westliche Naschkultur (Lakritz) als auch die asiatische Heilkunst.

Mit ihrem unverwechselbaren lakritzartigen Aroma, der vielseitigen kulinarischen Anwendung und den gesundheitlichen Wirkungen bleibt sie eine der faszinierendsten Wurzeln der Pflanzenwelt – allerdings mit der Empfehlung, sie in Maßen zu genießen.