🌾 Grünkern – das grüne Gold aus dem Dinkel

Was ist Grünkern?

Grünkern ist ein halbreif geernteter Dinkel, der schon seit Jahrhunderten als wertvolles und aromatisches Getreide geschätzt wird. Er entsteht, wenn der Dinkel etwa zwei bis drei Wochen vor seiner eigentlichen Reife geerntet und anschließend über Buchenholzfeuer getrocknet wird. Durch diesen speziellen Röstvorgang erhält Grünkern seinen typischen nussig-rauchigen Geschmack und seine charakteristische grünliche Farbe – daher auch der Name „Grünkern“.

Herkunft und Geschichte

Die Geschichte des Grünkerns reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. In Zeiten schlechter Witterung ernteten Bauern den Dinkel früher, um ihn vor drohendem Ernteausfall zu bewahren. Der unreif geerntete Dinkel war jedoch zu feucht, um ihn direkt zu lagern – also wurde er getrocknet. So entstand eher zufällig der Grünkern.

Vor allem in Baden-Württemberg und Franken hat sich daraus eine Tradition entwickelt, die bis heute gepflegt wird. Besonders bekannt ist der „Bauländer Spelz“, ein geschützter Begriff für Grünkern aus dem Bauland in Baden-Württemberg.

Herstellung: Vom Korn zum Grünkern

1. Frühe Ernte 

  • etwa Ende Juni, wenn die Körner noch milchreif sind.

2. Dörren und Rösten 

  • traditionell über Buchenholzfeuer bei rund 120 °C, wodurch das Korn haltbar und aromatisch wird.

3. Entspelzen

  • nach dem Trocknen werden die Spelzen (Schalen) entfernt.

4. Verarbeitung  

  • Grünkern wird anschließend zu Schrot, Grieß, Mehl oder ganzen Körnern weiterverarbeitet.

Dieser aufwendige Prozess erklärt, warum Grünkern als Delikatesse unter den Getreiden gilt.


Nährwerte und gesundheitliche Vorteile

Grünkern ist ein echtes Kraftpaket aus der Natur. Er enthält:

  • Hochwertiges pflanzliches Eiweiß (bis zu 13 %)
  • Ballaststoffe, die die Verdauung unterstützen
  • Vitamine der B-Gruppe (B1, B3, B6) für Nerven und Stoffwechsel
  • Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen, Zink und Phosphor
  • Sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem stärken

Dank seines hohen Gehalts an komplexen Kohlenhydraten sorgt Grünkern für langanhaltende Sättigung und ist eine hervorragende Energiequelle – ideal für eine bewusste, pflanzenbasierte Ernährung.


Verwendung in der Küche

Grünkern ist vielseitig einsetzbar und bringt eine herzhafte, leicht rauchige Note in viele Gerichte. Er eignet sich besonders für:

  • Suppen und Eintöpfe – klassisch: Grünkernsuppe aus Franken
  • Bratlinge und Frikadellen – als vegetarische Alternative
  • Aufläufe und Pfannengerichte
  • Salate – gekocht und abgekühlt, ähnlich wie Bulgur oder Couscous
  • Brot und Brötchen – in Kombination mit Dinkelmehl
  • Vegetarische Füllungen – z. B. für Paprika oder Zucchini

💡 Tipp: Geschroteter Grünkern lässt sich ähnlich wie Reis zubereiten. Einfach 2 Teile Wasser auf 1 Teil Grünkern verwenden und etwa 15–20 Minuten leicht köcheln lassen.


Nachhaltigkeit und Regionalität

Grünkern ist nicht nur gesund, sondern auch ökologisch wertvoll. Der Anbau erfolgt meist in Mischkulturen und Fruchtfolgen, wodurch der Boden geschont wird. Viele Erzeuger arbeiten nach biologischen Richtlinien, und der Anbau findet häufig regional in Süddeutschland statt.

Wer also Grünkern kauft, unterstützt nachhaltige Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung.


Fazit: Ein altes Korn neu entdeckt

Grünkern verbindet Tradition, Geschmack und Gesundheit auf besondere Weise. Ob als wärmende Suppe im Winter, als sättigender Salat im Sommer oder als Grundlage für kreative vegetarische Gerichte – das grüne Korn begeistert mit seinem ursprünglichen Aroma und seiner wertvollen Nährstoffzusammensetzung.

➡️ Probieren Sie Grünkern – und entdecken Sie ein Stück kulinarischer Geschichte, das heute aktueller ist denn je.