Zitronenmelisse (Melissa officinalis) – der große Ratgeber
Kurzprofil
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Namen: Zitronenmelisse, Melisse, Bienenkraut
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Botanik: Lippenblütler (Lamiaceae)
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Herkunft: Östliches Mittelmeer, Westasien; seit dem Mittelalter klassische Klosterpflanze
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Wuchs: Mehrjährig, buschig, 40–90 cm hoch, treibt zuverlässig jedes Jahr wieder aus
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Aroma/Geschmack: Frisch-zitronig, mild, leicht süßlich, ohne Säure
Erkennen & Verwechseln
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Blätter: Hell- bis mittelgrün, eiförmig, gekerbt, weich behaart; beim Reiben stark zitronig.
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Stängel: Vierkantig (typisch für Lippenblütler).
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Blüten: Weißlich bis blassgelb, Juni–August, nektarreich (bienenfreundlich).
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Nicht verwechseln mit:
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Zitronengras (Cymbopogon citratus): grasartige Blätter, anderes Aroma.
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Zitronenverbene (Aloysia citrodora): schmale Blätter, anderes Wuchsbild.
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Inhaltsstoffe & Wirkung (Kurzüberblick)
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Ätherisches Öl (u. a. Citral, Citronellal, Linalool – Gehalte schwanken, v. a. vor der Blüte am höchsten).
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Phenolsäuren (v. a. Rosmarinsäure), Flavonoide, Gerbstoffe.
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Traditionell zugeschriebene Effekte: mild beruhigend, ausgleichend, verdauungsfreundlich; äußerlich in Cremes bei spröder Haut und Lippenpflege beliebt.
Hinweis: Das sind allgemeine Infos zur Kräuterkunde und ersetzen keine medizinische Beratung. Ätherisches Melissenöl ist sehr konzentriert – nur stark verdünnt, mit Hauttest und fachkundig verwenden; in Schwangerschaft/Stillzeit und bei Kindern ätherische Öle grundsätzlich vorsichtig einsetzen.
Standort & Anbau
Standort
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Licht: Halbschattig bis sonnig (am liebsten Vormittagssonne).
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Boden: Locker, humos, gleichmäßig feucht, aber nicht staunass; pH neutral bis schwach alkalisch.
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Klima: Sehr winterhart (bis ca. −25 °C), treibt im Frühjahr neu aus.
Pflanzung & Vermehrung
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Aussaat: März/April vorkultivieren (Lichtkeimer, nur andrücken). Auspflanzen ab Mai.
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Stecklinge/Teilung: Im Frühsommer unkompliziert; die Pflanze bildet kurze Ausläufer.
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Abstand: 30–40 cm; im Kübel 7–12 l Volumen mit guter Drainage.
Pflege
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Gießen: Gleichmäßig feucht halten; im Topf häufiger wässern.
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Düngen: 1–2× jährlich mit Kompost oder organischem Langzeitdünger genügt.
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Schnitt: Nach der Blüte kräftig zurückschneiden → fördert frischen Austrieb und verhindert starke Selbstaussaat.
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Überwintern im Topf: Topf isolieren oder an geschützten Platz stellen; Erde nicht völlig austrocknen lassen.
Krankheiten & Schädlinge
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Insgesamt robust. In nassen Sommern: Mehltau/Blattflecken möglich (luftig pflanzen, befallene Triebe entfernen). Gelegentlich Blattläuse – mit Wasserstrahl abspülen.
Ernte, Konservierung & Qualität
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Beste Erntezeit: Kurz vor der Blüte, morgens nach dem Abtrocknen – dann ist der Ölgehalt am höchsten.
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Wie ernten: Junge Triebspitzen schneiden (ganze Triebe liefern gleichmäßige Qualität).
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Trocknen: Zügig, schattig, luftig. Melisse verliert beim Trocknen relativ schnell Aroma → lieber frisch verwenden oder anders konservieren.
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Alternativen:
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Einfrieren: Blätter gehackt in Eiswürfelformen mit Wasser oder Öl.
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Zucker/Salz: Zitronenmelisse-Zucker/-Salz als Vorrat.
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Sirup oder Kaltauszug (siehe Rezepte) erhält frisches Aroma besser als Trocknung.
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In der Küche – Ideen & Kombis
Geschmack: Zitrusfrisch ohne Säure – passt zu süß und herzhaft, aber Hitze zerstört Aroma. Darum erst zum Schluss zugeben.
Herzhaft:
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Salate, Sommersuppen, kalte Saucen, Fisch, Geflügel, Couscous, Quark- und Frischkäseaufstriche.
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Mit Kräutern wie Minze, Schnittlauch, Basilikum, Petersilie kombinieren.
Süß & Getränke:
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Obstsalat, Beeren, Desserts, Eis, Tortencremes, Limonaden, Bowlen, Eistee.
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Verleiht Wasser/Infused Water frische Zitrusnote.
Drei schnelle Rezepte
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Kalter Melissen-Tee (aromatisch):
2–3 Zweige in 500 ml kaltem Wasser 2–4 Std. ziehen lassen, abseihen, mit Zitrone und Honig servieren.
(Kaltauszug bewahrt flüchtige Aromen besser als heißer Tee.) -
Melissen-Sirup:
1 l Wasser + 1 kg Zucker + 20–30 g Zitronensäure aufkochen, abkühlen lassen. 10–15 große Zweige Melisse + 1 Bio-Zitrone in Scheiben 24 Std. in der Lösung ziehen lassen, abseihen, kurz erhitzen, heiß in Flaschen füllen. Mit Wasser spritzen (1:7). -
Frischer Frischkäse-Dip:
200 g Frischkäse + 2 EL Joghurt + 1 Handvoll fein gehackte Melisse + Salz, Pfeffer, Zitronenabrieb. Kurz durchziehen lassen.
Hausapotheke (traditionell)
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Als Genuss-Tee: 1–2 EL frische oder 1–2 TL getrocknete Blätter pro 250 ml, abgedeckt 5–8 Min. ziehen – abends angenehm mild.
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Lippenpflege: Cremes mit Melissen-Extrakt sind beliebt zur Pflege bei rauen Lippen; für medizinische Anwendungen ärztlichen Rat einholen.
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Magenfreund: In Kräutermischungen (z. B. mit Kamille, Pfefferminze) klassischer Bestandteil für den „ruhigen Magen“.
Sicherheitsnotiz: Ätherisches Melissenöl ist hochkonzentriert, kann Haut reizen und sollte nur sehr stark verdünnt (z. B. 0,5–1 %) und nach Patch-Test äußerlich verwendet werden. Bei Dauereinnahme von Kräuterzubereitungen, in Schwangerschaft/Stillzeit oder bei bestehenden Erkrankungen bitte mit Fachpersonen abstimmen.
Ökologie & Gartenpraxis
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Bienenmagnet: Blüten liefern reichlich Nektar; insektenfreundlich.
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Bodenverbesserer: Gute Vor-/Nachkultur im Kräuterbeet.
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Wuchs kontrollieren: Durch Selbstaussaat kann sie sich ausbreiten – Abblühendes zurückschneiden.
Sorten (Auswahl)
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‘Aurea’ – gelbgrünes Laub, dekorativ im Halbschatten.
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‘Variegata’ – panaschierte Blätter.
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‘Citronella’ – besonders intensiver Duft (Namensdopplung mit Zitronengras-Ölen möglich, aber andere Pflanze).
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‘Compacta’ – kompakter Wuchs, gut für Töpfe.