Laktoseintoleranz – wenn Milchzucker Beschwerden bereitet
Die Laktoseintoleranz ist eine der häufigsten Lebensmittelunverträglichkeiten weltweit. Betroffene können den Milchzucker Laktose nur unzureichend verdauen. Die Folge sind Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Völlegefühl nach dem Verzehr von Milchprodukten. Während Laktose für Säuglinge eine wichtige Energiequelle ist, verliert ein Großteil der Weltbevölkerung im Erwachsenenalter die Fähigkeit, sie vollständig zu verwerten.
Was ist Laktose?
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Laktose ist ein natürlicher Milchzucker, der ausschließlich in Milch und Milchprodukten vorkommt.
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Chemisch gesehen ist es ein Disaccharid (Zweifachzucker), bestehend aus Glukose und Galaktose.
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Für die Verdauung wird das Enzym Laktase benötigt, das im Dünndarm gebildet wird.
Ursachen der Laktoseintoleranz
Eine Laktoseintoleranz entsteht, wenn Laktase fehlt oder nur in unzureichender Menge vorhanden ist.
Formen der Laktoseintoleranz:
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Primäre Laktoseintoleranz
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Genetisch bedingt, weltweit am häufigsten.
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Die Laktaseproduktion nimmt nach dem Abstillen kontinuierlich ab.
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Sehr verbreitet in Asien, Afrika und Südamerika (bis zu 90 % der Erwachsenen).
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Sekundäre Laktoseintoleranz
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Entsteht durch Schädigung der Dünndarmschleimhaut, z. B. durch:
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Zöliakie
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Morbus Crohn
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Darminfekte oder Operationen
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Kann sich bei Abheilung der Grunderkrankung wieder bessern.
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Angeborene Laktoseintoleranz (Alaktasie)
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Sehr seltene genetische Störung, bei der Babys von Geburt an keine Laktase bilden.
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Betroffene müssen lebenslang strikt laktosefrei leben.
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Symptome
Die Beschwerden entstehen, weil ungespaltene Laktose in den Dickdarm gelangt und dort von Bakterien vergoren wird – dabei entstehen Gase und kurzkettige Fettsäuren.
Typische Symptome:
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Blähungen und Völlegefühl
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Bauchkrämpfe und Schmerzen
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Durchfall oder weicher Stuhl
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Übelkeit, manchmal Erbrechen
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Müdigkeit und Unwohlsein (indirekt durch Verdauungsstörungen)
👉 Die Stärke der Symptome hängt von der individuellen Toleranzgrenze und der verzehrten Menge Laktose ab.
Diagnose
1. H₂-Atemtest (Standardmethode)
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Nach Gabe einer Laktoselösung wird die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft gemessen.
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Ein deutlicher Anstieg zeigt eine unzureichende Laktoseverdauung an.
2. Blutzuckertest
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Misst den Anstieg des Blutzuckers nach Laktoseaufnahme (fällt bei Intoleranz gering aus).
3. Gentest
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Kann genetisch bedingte Laktase-Persistenz oder -Defizienz nachweisen.
4. Eliminationsdiät
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Vorübergehender Verzicht auf Laktose und anschließende Provokation zur Beobachtung der Symptome.
Therapie und Umgang im Alltag
Eine Heilung der Laktoseintoleranz ist nicht möglich, aber die Beschwerden lassen sich durch Ernährungsanpassungen kontrollieren.
Ernährung
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Laktosehaltige Lebensmittel meiden oder einschränken (Milch, Joghurt, Sahne, Frischkäse).
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Natürlich laktosearme Produkte nutzen:
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Hart- und Schnittkäse (Parmesan, Gouda, Emmentaler).
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Butter und Ghee (nur Spuren von Laktose).
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Industriell laktosefreie Produkte (Milch, Joghurt, Quark).
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Pflanzliche Alternativen (Soja-, Hafer-, Mandel-, Kokosdrinks).
Laktase-Präparate
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Tabletten oder Tropfen mit Laktase-Enzym ermöglichen es, auch laktosehaltige Lebensmittel zu genießen.
Nährstoffversorgung
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Wichtig ist die ausreichende Zufuhr von Calcium, Vitamin B2 und Eiweiß, wenn Milchprodukte reduziert werden.
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Gute Quellen: grünes Gemüse, Nüsse, Sesam, Hülsenfrüchte, calciumreiches Mineralwasser.
Kulturelle Unterschiede
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In Nordeuropa und bei bestimmten afrikanischen Völkern (z. B. Massai) bleibt die Laktaseproduktion oft lebenslang aktiv → hohe Milchverträglichkeit.
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In Asien, Afrika, Südamerika dagegen ist die Laktoseintoleranz bei Erwachsenen die Regel.
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Diese Unterschiede zeigen, wie eng Kultur, Evolution und Ernährung miteinander verbunden sind.