Die Hausratte – ein wendiger Vorrats- und Hygieneschädling
Die Hausratte (Rattus rattus), auch Dachratte oder Schwarze Ratte genannt, gehört zu den bedeutendsten Nagetier-Schädlingen weltweit. Obwohl sie in Mitteleuropa inzwischen seltener vorkommt als die Wanderratte, ist sie durch ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Rolle in der Krankheitsübertragung ein ernstzunehmender Hygieneschädling.
Merkmale und Aussehen 
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Größe: Körperlänge 16–22 cm, Schwanz länger als der Körper (18–25 cm)
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Gewicht: 150–250 g (leichter als die Wanderratte)
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Farbe: schwarz bis dunkelbraun, Bauch heller
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Kopf: spitz mit großen Ohren und auffälligen Augen
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Körperbau: schlank und wendig, sehr guter Kletterer und Springer
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Unterschied zur Wanderratte: Hausratte ist leichter, agiler, mit längerem Schwanz und spitzem Kopf
Lebensweise und Verhalten
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Aktivität: vor allem dämmerungs- und nachtaktiv
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Lebensraum: bevorzugt trockene, warme und erhöhte Orte – Dachböden, Speicher, Lagerräume, Schiffe
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Nahrung: Allesfresser, bevorzugt Getreide, Obst, Gemüse und Nüsse; benötigt weniger Wasser als Wanderratten
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Sozialverhalten: lebt in Kolonien mit hierarchischer Struktur
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Besonderheit: ausgezeichneter Kletterer, oft über Stromleitungen, Bäume und Dächer unterwegs
Fortpflanzung
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Geschlechtsreife: nach 3–4 Monaten
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Tragzeit: ca. 21 Tage
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Wurfgröße: 6–10 Junge
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Würfe pro Jahr: 4–6, abhängig von Nahrungsangebot und Klima
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Lebenserwartung: 1–2 Jahre in freier Wildbahn
Durch ihre hohe Fruchtbarkeit kann sich eine Hausrattenpopulation sehr schnell vergrößern.
Schäden und Risiken
Vorratsschäden
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Frisst Getreide, Obst, Gemüse und gelagerte Lebensmittel
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Verunreinigt Vorräte durch Kot, Urin und Haare
Gesundheitliche Gefahren
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Überträgt zahlreiche Krankheitserreger, darunter:
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Salmonellen
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Leptospiren (Leptospirose)
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Yersinia pestis (Pesterreger, durch Rattenflöhe historisch bedeutsam)
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Parasiten (Flöhe, Milben, Würmer)
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Bauliche Schäden
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Nagen an Kabeln, Holz, Dämmmaterialien → Brandgefahr
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Beschädigung von Verpackungen und Lagereinrichtungen
Anzeichen eines Befalls
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Dunkler, spindelförmiger Kot (ca. 10–12 mm)
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Nagespuren an Vorräten, Möbeln oder Kabeln
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Polter- und Kratzgeräusche in Dachböden oder Zwischendecken
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Sichtung lebender oder toter Tiere
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Lauf- und Fettspuren entlang von Wänden und Balken
Bekämpfung und Vorbeugung
Prävention
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Lebensmittel stets in dicht verschlossenen Behältern aufbewahren
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Gebäude abdichten (Ritzen, Öffnungen, Kabel- und Rohrdurchgänge sichern)
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Müll und Abfälle regelmäßig entsorgen
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Dachböden und Speicher sauber halten
Bekämpfung
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Mechanische Fallen: Schlag- und Lebendfallen
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Giftköder (Rodentizide): nur mit Vorsicht und vorzugsweise durch Fachbetriebe einsetzen
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Elektronische Fallen: hygienische Alternative
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Professionelle Schädlingsbekämpfung: bei starkem Befall unerlässlich