⚙️ Molybdän – Das stille Multitalent unter den Spurenelementen

Was ist Molybdän?

Molybdän (Mo) ist ein essentielles Spurenelement, das der menschliche Körper nur in sehr kleinen Mengen benötigt – aber nicht darauf verzichten kann. Es ist Bestandteil mehrerer Enzyme, die für den Abbau und die Verwertung von schwefelhaltigen Aminosäuren, Purinen und anderen Stoffwechselprodukten verantwortlich sind.


Funktionen von Molybdän im Körper

Molybdän wirkt als Kofaktor für verschiedene Enzyme, sogenannte Molybdänenzyme, die wichtige biochemische Reaktionen ermöglichen:

1. Xanthinoxidase

  • Wandelt Purine (Bestandteile der DNA) in Harnsäure um.
  • Wichtig für den Abbau von Nukleinsäuren.
  • Überaktivität kann mit Gicht in Verbindung stehen.

2. Aldehydoxidase

  • Beteiligt am Abbau von Alkohol und Medikamenten.
  • Unterstützt die Entgiftung in der Leber.

3. Sulfitoxidase

  • Wandelt Sulfite in Sulfate um.
  • Essenziell für den Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren (z. B. Methionin, Cystein).
  • Ein Mangel kann zu neurologischen Störungen führen.

Tagesbedarf und Versorgung

Empfohlene Zufuhr (laut DGE)

  • Erwachsene: ca. 50–100 µg (Mikrogramm) pro Tag
  • Obergrenze (UL): ca. 2000 µg/Tag (laut EFSA)

Gute Molybdänquellen

LebensmittelKategorieMolybdängehalt (µg / 100 g)Bemerkung / Nutzen
Linsen (gekocht)Hülsenfrüchte85Sehr gute pflanzliche Quelle, eiweißreich
Kichererbsen (gekocht)Hülsenfrüchte75Liefert Ballaststoffe und Molybdän
SojabohnenHülsenfrüchte130Extrem molybdänreich und eiweißhaltig
Erbsen (getrocknet)Hülsenfrüchte65Gute pflanzliche Eiweißquelle
Vollkornprodukte (Weizen, Hafer, Roggen)Getreideprodukte80Trägt wesentlich zur täglichen Aufnahme bei
BuchweizenPseudogetreide65Glutenfreie Quelle mit hohem Mineralstoffgehalt
Reis (Vollkorn)Getreideprodukte45Liefert Molybdän und Energie
SpinatGemüse38Enthält Molybdän und Folsäure
BlumenkohlGemüse30Unterstützt den Stoffwechsel
KarottenGemüse22Enthält Spuren von Molybdän
MilchMilchprodukte8Liefert kleine Mengen, aber gut bioverfügbar
EierTierische Produkte8Enthält Molybdän und andere Spurenelemente
RindfleischFleisch20Gute tierische Quelle
Leber (Rind, Schwein)Innereien55Sehr hoher Gehalt, aber nur gelegentlich empfohlen
WalnüsseNüsse45Gute pflanzliche Quelle mit gesunden Fetten
MandelnNüsse40Enthält Molybdän und Magnesium
SesamSamen50Pflanzliche Quelle, gut kombinierbar
SonnenblumenkerneSamen55Mineralstoffreich und vielseitig einsetzbar
Grünes Blattgemüse (z. B. Mangold, Rucola)Gemüse30Liefert Molybdän und sekundäre Pflanzenstoffe

Hinweis: Der Molybdängehalt variiert stark je nach Bodenbeschaffenheit, auf dem die Pflanzen wachsen.


Mangelerscheinungen

Ein Molybdänmangel ist beim Menschen extrem selten, da der Bedarf sehr gering ist und die Versorgung über eine normale Ernährung meist ausreichend ist.

Mögliche Ursachen für Mangel:

  • Langzeitparenterale Ernährung (ohne Molybdänzusatz)
  • Genetische Defekte (z. B. Sulfitoxidase-Mangel)
  • Stark einseitige Ernährung

Symptome bei Mangel:

  • Neurologische Störungen (z. B. Krampfanfälle)
  • Entwicklungsverzögerungen (bei angeborenem Mangel)
  • Sehstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen

Überversorgung und Toxizität

Eine Überdosierung von Molybdän über die Nahrung ist praktisch ausgeschlossen.

Nur bei extrem hoher Zufuhr (z. B. durch Nahrungsergänzungsmittel) kann es zu Nebenwirkungen kommen:

Mögliche Symptome bei Überdosierung:

  • Gelenkschmerzen (ähnlich Gicht)
  • Kupfermangel (Molybdän kann die Kupferaufnahme hemmen)
  • Reizbarkeit, Müdigkeit

Molybdän in der Medizin und Forschung

  • Mangelbehandlung: In sehr seltenen Fällen wird Molybdän als Nahrungsergänzung verabreicht.
  • Forschung: Molybdänhaltige Enzyme sind Gegenstand intensiver biochemischer Forschung, insbesondere im Zusammenhang mit Entgiftungsprozessen und Stoffwechselstörungen.
  • Biotechnologie: Molybdän spielt auch in der Landwirtschaft (z. B. bei stickstofffixierenden Bakterien) eine Rolle.

Fazit

Molybdän ist ein unscheinbares, aber unverzichtbares Spurenelement, das in winzigen Mengen große Wirkung entfaltet. Es unterstützt den Abbau von Purinen, Sulfiten und anderen Stoffwechselprodukten und trägt zur Entgiftung bei. Eine ausgewogene Ernährung mit Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen deckt den Bedarf problemlos. Mangel oder Überversorgung sind selten, aber in speziellen Fällen medizinisch relevant.