Cholesterin – lebenswichtiger Stoff mit zwei Gesichtern
Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff (Lipid), der im Körper eine Vielzahl lebensnotwendiger Funktionen erfüllt. Gleichzeitig wird es oft mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Tatsächlich kommt es weniger auf die absolute Menge, sondern vielmehr auf das Gleichgewicht der Cholesterinarten an.
Was ist Cholesterin?
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Chemisch: Cholesterin gehört zu den Steroiden und ist eine Grundsubstanz für Zellmembranen, Hormone und Gallensäuren.
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Eigenschaften: fettlöslich, nicht in Wasser löslich → deshalb wird es im Blut an spezielle Transportproteine (Lipoproteine) gebunden.
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Herkunft:
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ca. 70–80 % werden im Körper selbst gebildet (v. a. in der Leber).
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ca. 20–30 % stammen aus der Nahrung (Eier, Fleisch, Milchprodukte).
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Funktionen von Cholesterin
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Baustoff für Zellmembranen: Stabilität und Flexibilität von Zellen.
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Vorstufe für Hormone: Bildung von Steroidhormonen wie Cortisol, Östrogen, Testosteron.
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Gallensäuren: notwendig für die Fettverdauung.
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Vitamin D: Cholesterin ist Ausgangsstoff für dessen Bildung in der Haut durch Sonnenlicht.
👉 Cholesterin ist also unverzichtbar – nur ein Zuviel im Blut kann problematisch sein.
Arten von Cholesterin (Transportformen)
Da Cholesterin wasserunlöslich ist, wird es an Lipoproteine gebunden:
🔹 LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“)
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Transportiert Cholesterin von der Leber in die Körperzellen.
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Bei Überschuss lagert es sich in Gefäßwänden ab → Atherosklerose (Arterienverkalkung).
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Erhöhtes LDL → Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.
🔹 HDL-Cholesterin („gutes Cholesterin“)
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Transportiert überschüssiges Cholesterin von den Zellen zurück zur Leber.
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Schützt vor Gefäßablagerungen.
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Höhere HDL-Werte → günstig für die Herzgesundheit.
🔹 Gesamtcholesterin
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Summe aller Cholesterinarten (LDL + HDL + VLDL).
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Allein nicht aussagekräftig, wichtig ist das Verhältnis von LDL zu HDL.
Normwerte im Blut
(Angaben in mg/dl; 1 mmol/l ≈ 38,7 mg/dl)
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Gesamtcholesterin: < 200 mg/dl
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LDL-Cholesterin: < 115 mg/dl (bei Risikopatienten < 70 mg/dl)
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HDL-Cholesterin: > 40 mg/dl (Männer), > 50 mg/dl (Frauen)
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Triglyceride: < 150 mg/dl
Ursachen für erhöhte Cholesterinwerte
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Ernährung: viel gesättigte Fette, Transfette, Zucker und Alkohol.
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Bewegungsmangel: fördert Übergewicht und erhöht LDL.
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Genetische Faktoren: familiäre Hypercholesterinämie.
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Erkrankungen: Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Nierenerkrankungen.
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Alter und Geschlecht: Werte steigen mit zunehmendem Alter; Männer meist früher betroffen.
Folgen erhöhter Cholesterinwerte
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Atherosklerose: Ablagerungen in den Gefäßen, Verengung und Verhärtung der Arterien.
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Herzinfarkt: bei Verschluss der Herzkranzgefäße.
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Schlaganfall: durch Verengungen oder Verschlüsse von Hirnarterien.
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Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Durchblutungsstörungen in den Beinen.
Senkung und Regulierung von Cholesterin
Ernährung
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Förderlich:
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ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl, Rapsöl, Nüsse, Fisch)
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Ballaststoffe (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst)
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Phytosterine (z. B. in Nüssen, Samen, speziellen Margarinen)
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Ungünstig:
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gesättigte Fette (Wurst, Butter, Sahne)
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Transfette (Fast Food, Fertigprodukte, Backwaren)
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übermäßiger Zucker und Alkohol
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Lebensstil
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Regelmäßige Bewegung (mind. 150 Min. pro Woche) → erhöht HDL.
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Gewichtsreduktion bei Übergewicht.
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Rauchstopp → verbessert HDL-Werte.
Medikamente (bei Bedarf)
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Statine: hemmen die körpereigene Cholesterinproduktion.
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Ezetimib: reduziert die Cholesterinaufnahme im Darm.
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PCSK9-Hemmer: neue Wirkstoffe, die LDL drastisch senken können.
Cholesterin und Ernährungstrends
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Eier: lange als „Cholesterinbomben“ verschrien, heute weiß man: Nahrungscholesterin hat nur begrenzten Einfluss auf den Blutwert – wichtiger ist die Art der Fette insgesamt.
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Low-Carb-Diäten: können LDL senken, wenn gesunde Fette bevorzugt werden.
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Vegetarische/Vegane Ernährung: enthält kein Cholesterin (nur tierische Lebensmittel enthalten es), wirkt sich oft günstig auf die Werte aus.