Cholesterin – lebenswichtiger Stoff mit zwei Gesichtern
1. Einleitung
Cholesterin gehört zu den bekanntesten, aber auch am meisten missverstandenen Stoffen im menschlichen Körper. Oft wird es ausschließlich mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, dabei ist Cholesterin ein unverzichtbarer Baustein vieler lebenswichtiger Prozesse. Entscheidend ist nicht die bloße Menge, sondern das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Cholesterinarten.
2. Chemische und biologische Grundlagen
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Definition: Cholesterin ist ein fettähnliches Steroid, das zur Gruppe der Lipide gehört.
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Eigenschaften:
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wasserunlöslich, daher wird es im Blut an Transportproteine gebunden.
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Bestandteil jeder Zellmembran – verleiht Stabilität und Flexibilität.
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Produktion: Etwa 70–80 % des Cholesterins stellt der Körper selbst her (vor allem in der Leber). Der Rest stammt aus der Nahrung.
3. Funktionen im Körper
Cholesterin erfüllt eine Vielzahl unverzichtbarer Aufgaben:
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Baustein von Zellmembranen – Stabilität und Durchlässigkeit der Zellen.
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Vorstufe für Hormone – etwa Sexualhormone (Östrogen, Testosteron), Kortisol und Vitamin D.
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Grundlage für Gallensäuren – notwendig für die Fettverdauung.
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Beteiligung am Nervensystem – Cholesterin ist Bestandteil der Myelinscheide, die Nervenfasern umgibt.
4. „Gutes“ und „schlechtes“ Cholesterin
Da Cholesterin im Blut transportiert werden muss, bindet es sich an Lipoproteine. Diese bestimmen, ob Cholesterin nützlich oder riskant für die Gesundheit ist:
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LDL (Low Density Lipoprotein):
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transportiert Cholesterin von der Leber in die Körperzellen.
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bei Überschuss lagert es sich in Gefäßwänden ab → Bildung von Plaques → Arteriosklerose.
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wird deshalb als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet.
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HDL (High Density Lipoprotein):
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transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber, wo es abgebaut wird.
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schützt die Gefäße → bekannt als „gutes“ Cholesterin.
5. Cholesterinwerte
Die Blutfettwerte werden in mg/dl oder mmol/l gemessen. Wichtige Richtwerte (je nach Land und Leitlinien leicht abweichend):
6. Ursachen für erhöhte Cholesterinwerte
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Ernährung: viel gesättigtes Fett, Transfette und cholesterinreiche Lebensmittel.
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Bewegungsmangel: führt zu niedrigem HDL und hohem LDL.
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Übergewicht und Diabetes mellitus.
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Genetische Faktoren: familiäre Hypercholesterinämie.
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Rauchen und Alkohol: beeinflussen den Fettstoffwechsel negativ.
7. Folgen eines hohen Cholesterinspiegels
Ein dauerhaft erhöhter LDL-Spiegel führt zu Arteriosklerose – Ablagerungen in den Blutgefäßen. Mögliche Folgen:
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Herzinfarkt
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Schlaganfall
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Durchblutungsstörungen (z. B. „Schaufensterkrankheit“)
8. Maßnahmen zur Regulierung
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Ernährung:
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ballaststoffreiche Kost (Vollkorn, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte).
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ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl, Nüsse, Fisch).
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weniger tierische Fette und Fertigprodukte.
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Bewegung: mindestens 150 Minuten pro Woche senkt LDL und erhöht HDL.
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Verzicht: auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
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Medikamente: Bei stark erhöhten Werten kommen Statine oder andere lipidsenkende Mittel zum Einsatz.
9. Fazit
Cholesterin ist weder „gut“ noch „schlecht“, sondern ein lebenswichtiger Bestandteil des menschlichen Körpers. Erst ein Ungleichgewicht – insbesondere zu hohe LDL-Werte – birgt Gesundheitsrisiken. Mit ausgewogener Ernährung, Bewegung und einem gesunden Lebensstil lassen sich Cholesterinwerte oft effektiv regulieren.