Vitamin B8 (Inositol) – Struktur, Funktionen und klinische Bedeutung
Einleitung
Vitamin B8, häufig als Inositol bezeichnet, gehört chemisch zu den Zuckeralkoholen (Cyclohexanhexol). Obwohl es traditionell in die Gruppe der B-Vitamine eingeordnet wurde, ist es kein echtes Vitamin, da der menschliche Organismus Inositol selbst synthetisieren kann – vor allem in Leber und Nieren aus Glucose-6-phosphat.
Inositol spielt eine zentrale Rolle in zellulären Signalwegen, im Lipidstoffwechsel und in der Nervenfunktion.
Chemische Eigenschaften
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Summenformel: C₆H₁₂O₆ (isomer zu Glucose)
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Es existieren neun Stereoisomere, biologisch bedeutsam ist vor allem Myo-Inositol.
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Bestandteil von Phosphatidylinositol und dessen Phosphaten, die wichtige Signalmoleküle in Zellmembranen darstellen.
Vorkommen
Inositol kommt in zahlreichen Lebensmitteln vor:
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Vollkornprodukte
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Hülsenfrüchte
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Nüsse
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Zitrusfrüchte
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Innereien
Da der Körper Inositol selbst bilden kann, besteht normalerweise keine Abhängigkeit von exogener Zufuhr.
Physiologische Funktionen
Die biologische Bedeutung von Inositol ist vielfältig:
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Zellmembran und Signaltransduktion:
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Bestandteil von Phosphatidylinositol und Phosphatidylinositol-Phosphaten (PIP₂, PIP₃).
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Grundlage wichtiger Signalwege (z. B. IP₃/DAG-Signalweg, Regulation von Calciumfreisetzung).
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Lipid- und Glucosestoffwechsel:
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Reguliert Insulinsignalwege und Glucosetoleranz.
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Bedeutung in der Fettstoffwechselregulation.
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Nervensystem:
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Essenziell für Myelinsynthese und Neurotransmission.
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Mögliche Rolle bei psychiatrischen Erkrankungen (z. B. Depression, Angststörungen).
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Bedarf
Da Inositol endogen synthetisiert wird, existieren keine offiziellen Zufuhrempfehlungen (z. B. durch die DGE).
Mangelerscheinungen
Ein isolierter Inositolmangel ist beim Menschen kaum dokumentiert, da der Körper selbst für die Synthese sorgt. In Tierstudien führten Mangelzustände zu:
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Wachstumsstörungen
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Haarausfall
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Fettstoffwechselstörungen
Beim Menschen treten Mangelerscheinungen höchstens sekundär auf (z. B. bei schweren Stoffwechselstörungen).
Überdosierung
Inositol gilt als gut verträglich. Hochdosierte Supplementierungen (> 12 g/Tag) können gastrointestinale Beschwerden (Blähungen, Durchfall) verursachen.
Klinische Relevanz
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Gynäkologie: Myo-Inositol wird in der Behandlung des Polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) eingesetzt, da es die Insulinsensitivität verbessern und den Hormonhaushalt regulieren kann.
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Psychiatrie: Studien untersuchen den Einsatz von Inositol bei Depression, Panikstörungen und Zwangsstörungen.
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Diabetologie: Potenzial als Nahrungsergänzung zur Verbesserung der Glucosetoleranz.