Vitamin C (Ascorbinsäure) – Struktur, Funktionen und klinische Bedeutung

Einleitung

Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, ist ein wasserlösliches Vitamin, das für den Menschen essenziell ist. Im Gegensatz zu vielen Tieren kann der menschliche Organismus Vitamin C aufgrund des Fehlens des Enzyms L-Gulonolacton-Oxidase nicht selbst synthetisieren. Deshalb muss es kontinuierlich über die Nahrung zugeführt werden. Vitamin C spielt eine zentrale Rolle im Redoxhaushalt, Immunsystem und Kollagenstoffwechsel.


Chemische Eigenschaften

  • Summenformel: C₆H₈O₆

  • Strukturell: Lacton mit stark reduzierenden Eigenschaften

  • L-Ascorbinsäure und Dehydroascorbinsäure bilden ein reversibles Redoxsystem

  • Empfindlich gegenüber Hitze, Licht und Sauerstoff → Koch- und Lagerverluste


Vorkommen

Vitamin C ist reichlich in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten:

  • Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Grapefruits)

  • Beeren (Acerola, Hagebutten, schwarze Johannisbeeren)

  • Paprika, Brokkoli, Rosenkohl

  • Kartoffeln, Spinat, Tomaten


Physiologische Funktionen

  • Kollagensynthese:

    • Cofaktor der Prolyl- und Lysylhydroxylase → Hydroxylierung von Prolin und Lysin in Kollagen.

    • Essenziell für Bindegewebe, Knochen, Haut und Blutgefäße.

  • Antioxidans:

    • Neutralisiert freie Radikale.

    • Regeneriert andere Antioxidantien (z. B. Vitamin E).

  • Eisenstoffwechsel:

    • Fördert die intestinale Absorption von Nicht-Häm-Eisen (Reduktion von Fe³⁺ zu Fe²⁺).

  • Immunsystem:

    • Stimuliert die Aktivität von Leukozyten.

    • Unterstützt Barrierefunktionen von Haut und Schleimhäuten.

  • Neurotransmitter- und Hormonbiosynthese:

    • Cofaktor in der Synthese von Noradrenalin (Dopamin-β-Hydroxylase).

    • Beteiligung an der Synthese von Carnitin.


Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt:

  • Männer: 110 mg/Tag

  • Frauen: 95 mg/Tag

  • Raucher: zusätzlich +40 mg/Tag (erhöhter oxidativer Stress).


Mangelerscheinungen

Ein schwerer Vitamin-C-Mangel führt zu Skorbut:

  • Symptome: Zahnfleischbluten, schlechte Wundheilung, Anämie, Muskelschwäche, Hautblutungen.

  • Historisch bedeutend bei Seefahrern ohne Zugang zu frischem Obst/Gemüse.

Leichter Mangel kann sich äußern durch:

  • Müdigkeit, Reizbarkeit

  • Infektanfälligkeit

  • Brüchige Blutgefäße


Überdosierung

Da Vitamin C wasserlöslich ist, werden Überschüsse über die Niere ausgeschieden. Hochdosierte Supplemente (> 2 g/Tag) können jedoch führen zu:

  • Gastrointestinalen Beschwerden (Durchfall, Bauchschmerzen)

  • Erhöhtem Risiko für Nierensteine bei disponierten Personen


Klinische Relevanz

  • Prävention: Regelmäßige Zufuhr über Obst und Gemüse schützt vor Mangelerscheinungen.

  • Therapie: Intravenöse Hochdosis-Vitamin-C-Therapien werden in der Onkologie und Intensivmedizin erforscht, die Evidenz ist jedoch uneinheitlich.

  • Erkältung: Supplemente können die Dauer einer Erkältung leicht verkürzen, nicht aber deren Auftreten zuverlässig verhindern.


Schlussfolgerung

Vitamin C ist ein essenzieller Cofaktor zahlreicher Enzyme und ein starkes Antioxidans. Es ist unverzichtbar für Kollagensynthese, Eisenstoffwechsel, Immunabwehr und Redoxbalance. Während Mangel in Industrieländern selten ist, bleibt eine abwechslungsreiche Ernährung mit Obst und Gemüse der beste Schutz vor Unterversorgung.