Das Kochstück – Ansatzteig zur Wasserbindung und Teigstabilisierung
1. Einleitung
Das Kochstück ist eine Vorstufe bzw. ein Ansatzteig, bei dem Mehl oder stärkehaltige Zutaten in Wasser aufgekocht werden. Dadurch verkleistert die enthaltene Stärke vollständig. Dieser Prozess sorgt für eine besonders hohe Wasserbindung und verbessert sowohl Frischhaltung als auch Teigstabilität.
Es wird vor allem in Broten mit hohem Vollkorn- oder Roggenanteil, aber auch in weichen Weizenbroten eingesetzt, um eine saftige, gleichmäßige Krume zu erhalten.
2. Ziel und Vorteile eines Kochstücks
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Maximale Wasserbindung → Brot bleibt länger frisch und saftig.
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Teigstabilität → bessere Teigentwicklung, besonders bei weichen oder kleberschwachen Mehlen.
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Saftige Krume → gleichmäßige Porung, keine trockene Struktur.
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Bessere Frischhaltung → Brot trocknet langsamer aus.
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Aroma → milder, leicht süßlicher Geschmack durch Umwandlung von Stärke in Zucker.
3. Herstellung eines Kochstücks
Grundprinzip:
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5–10 % der Gesamtmehlmenge für das Kochstück verwenden.
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Mehl oder Schrot mit 3–5 Teilen Wasser anrühren.
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Unter ständigem Rühren auf ca. 65–70 °C erhitzen (bis die Stärke verkleistert).
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Kurz aufkochen lassen.
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Abdecken und abkühlen lassen.
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Am besten noch am selben Tag oder innerhalb von 24 Stunden verarbeiten.
👉 Wichtig: Temperaturen über 70 °C können dazu führen, dass Enzyme deaktiviert werden – die gewünschte Stärkeverkleisterung findet aber bereits um 65 °C statt.
4. Typische Zutaten für ein Kochstück
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Roggen- oder Weizenmehl
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Dinkelmehl (wegen kleberschwacher Struktur besonders geeignet)
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Hafermehl
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Mischungen mit Schrot oder Flocken
5. Unterschiede zu ähnlichen Vorstufen
Ansatzteig Herstellung Wirkung
Quellstück Schrot/Saaten mit kaltem Wasser quellen lassen Saftigkeit, Frischhaltung
Brühstück Schrot/Saaten mit kochendem Wasser übergießen Hohe Wasserbindung, milder Geschmack
Kochstück Mehl in Wasser erhitzen, Stärke verkleistert Maximale Wasserbindung, saftige Krume
Aromastück Mehl + Malz bei 60–65 °C enzymatisch geführt Süße, Aroma, Farbe, Frischhaltung
6. Einsatz in der Bäckerei
Kochstücke werden eingesetzt bei:
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Roggen- und Mischbroten → verbesserte Bindigkeit und Feuchtigkeit
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Dinkelbroten → bessere Teigstabilität trotz schwachen Glutens
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Weizenbroten → saftigere Krume, längere Frische
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Spezialbroten (z. B. Toast, Softbrötchen) → fluffigere Krume, weiche Textur
7. Beispielrezept: Dinkelvollkornbrot mit Kochstück
Kochstück:
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100 g Dinkelvollkornmehl
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400 ml Wasser
→ Unter Rühren aufkochen, bis Stärke verkleistert. Abkühlen lassen.
Hauptteig:
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Kochstück
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400 g Dinkelvollkornmehl
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200 g Dinkelmehl Type 630
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15 g Salz
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20 g Hefe oder 150 g Sauerteig
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200 ml Wasser
Zubereitung:
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Zutaten zu einem glatten Teig verkneten.
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30 Minuten Teigruhe, dann formen.
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Ca. 60 Minuten Gare.
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Bei 230 °C anbacken, nach 10 Min. auf 200 °C reduzieren und 40 Minuten fertig backen.