Amaranth (Amaranthus spp.)

Definition

Amaranth bezeichnet eine Gruppe von Pflanzen aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Botanisch handelt es sich nicht um ein echtes Getreide, sondern um ein sogenanntes Pseudogetreide. Die Pflanzengattung umfasst über 60 Arten, von denen mehrere zur Körnernutzung kultiviert werden (Amaranthus caudatus, A. cruentus, A. hypochondriacus). Die kleinen, nährstoffreichen Körner und die Blätter werden seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel genutzt.


Herkunft und Geschichte

  • Ursprung: Süd- und Mittelamerika, insbesondere das Hochland Perus, Boliviens und Mexikos.

  • Kulturgeschichte:

    • Amaranth war eine der wichtigsten Nutzpflanzen der Azteken, Inka und Maya.

    • Er wurde nicht nur als Grundnahrungsmittel verwendet, sondern hatte auch rituelle Bedeutung (Opferspeisen, Zeremonien).

  • Verdrängung: Nach der Kolonialisierung durch die Spanier wurde Amaranth stark zurückgedrängt, da sein ritueller Gebrauch mit indigenen Religionen verbunden war.

  • Wiederentdeckung: Seit den 1970er-Jahren erlebt Amaranth weltweit ein Comeback, v. a. in der Reformkost, Bio-Landwirtschaft und glutenfreien Ernährung.


Botanische Merkmale

  • Wuchs: einjährige, krautige Pflanzen, 0,5–3 m hoch.

  • Blätter: breit, meist grün, manchmal rötlich überlaufen.

  • Blütenstände: große, rispen- oder ährenartige Kolben, häufig auffallend rot oder purpurfarben.

  • Samen: sehr klein (Durchmesser 1–1,5 mm), hellgelb bis bräunlich.

  • Ertrag: bis zu 1 Tonne Körner pro Hektar, je nach Sorte und Standort.


Anbau

  • Standorte: wächst auf kargen Böden, sehr widerstandsfähig gegenüber Hitze und Trockenheit.

  • Klimabedingungen: gedeiht in tropischen, subtropischen und gemäßigten Zonen.

  • Weltweite Verbreitung: Heute Anbau in Südamerika, Indien, China, den USA und zunehmend auch in Europa (z. B. Deutschland, Österreich).

  • Vorteil: Kurze Vegetationszeit (90–120 Tage), ideal für den Anbau als Zweitfrucht.


Verarbeitung

  • Körner:

    • Zu Mehl vermahlen für Backwaren.

    • Gepufft (ähnlich wie Popcorn).

    • Als Flocken für Müslis und Porridge.

  • Blätter: essbar, ähnlich wie Spinat.

  • Traditionell: In Mexiko werden Körner mit Honig oder Zucker zu „Alegría“ verarbeitet (Süßspeise).


Verwendung

  1. Lebensmittel:

    • Grundnahrungsmittel in Teilen Lateinamerikas.

    • In der modernen Ernährung: glutenfreie Backwaren, Müslis, Energieriegel, Pasta.

    • Pseudogetreide-Alternativen für Reis oder Couscous.

  2. Tierfutter:

    • Pflanzenteile werden auch als Futterpflanze genutzt.

  3. Medizinisch/Traditionell:

    • In der Volksmedizin Südamerikas gegen Verdauungsbeschwerden und zur Stärkung eingesetzt.


Nährwert und Inhaltsstoffe

  • Makronährstoffe:

    • ca. 60–65 % Kohlenhydrate

    • 13–16 % Eiweiß

    • 6–8 % Fett (überdurchschnittlich hoch für ein Getreidekorn)

    • 6–8 % Ballaststoffe

  • Mikronährstoffe:

    • reich an Eisen, Magnesium, Calcium, Kalium, Zink

    • Vitamine der B-Gruppe, Vitamin E

  • Besonderheiten:

    • Glutenfrei, daher geeignet für Zöliakie-Betroffene.

    • Sehr hoher Eiweißgehalt, vollständiges Aminosäurenprofil (reich an Lysin, das in Getreide oft fehlt).

    • Hoher Anteil ungesättigter Fettsäuren.

    • Sekundäre Pflanzenstoffe wie Saponine und Flavonoide mit antioxidativer Wirkung.


Bedeutung heute

  • Ernährung: Amaranth gilt als „Superfood“ und ist fester Bestandteil glutenfreier und vollwertiger Ernährung.

  • Ökonomie: Wachsende Nachfrage weltweit, vor allem im Reformhaus- und Biobereich.

  • Ökologisch: Robust gegenüber widrigen Bedingungen, daher interessante Pflanze im Hinblick auf den Klimawandel.

  • Kulturell: In Lateinamerika weiterhin Teil traditioneller Speisen und Feste.