Definition

Als Pseudogetreide bezeichnet man Samen von Pflanzenarten, die nicht zu den echten Getreiden (Süßgräser, Poaceae) gehören, aber ähnlich wie Getreide genutzt werden. Sie liefern stärkehaltige Körner, die zu Mehl, Flocken oder Breien verarbeitet werden können. Botanisch zählen sie jedoch zu anderen Pflanzenfamilien. Pseudogetreide ist von Natur aus glutenfrei und gewinnt daher in der modernen Ernährung eine wachsende Bedeutung.


Abgrenzung zu Getreide

  • Echte Getreide: stammen alle aus der Familie der Süßgräser (z. B. Weizen, Roggen, Gerste, Hirse, Mais, Reis).

  • Pseudogetreide: gehören zu völlig anderen Familien (z. B. Fuchsschwanzgewächse, Knöterichgewächse, Nelkengewächse), haben aber ähnliche Verwendungsmöglichkeiten.


Wichtige Vertreter von Pseudogetreide

1. Buchweizen (Fagopyrum esculentum)

  • Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae).

  • Herkunft: Zentralasien, seit dem Mittelalter in Europa verbreitet.

  • Verwendung: Mehl für Pfannkuchen (z. B. Blinis, Galettes), Grütze, Nudeln (japanische Soba).

  • Besonderheit: Reich an Rutin (sekundärer Pflanzenstoff mit gefäßschützender Wirkung).

2. Amarant (Amaranthus caudatus, A. cruentus, A. hypochondriacus)

  • Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae).

  • Herkunft: Süd- und Mittelamerika; eine der Hauptkulturpflanzen der Inka und Azteken.

  • Verwendung: Körner als Mehl, Popcorn-artig gepufft, in Müslis oder Backwaren.

  • Besonderheit: Hoher Gehalt an Eiweiß (bis 16 %) mit vielen essenziellen Aminosäuren.

3. Quinoa (Chenopodium quinoa)

  • Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae).

  • Herkunft: Andenregion, traditionelles Grundnahrungsmittel der Inka.

  • Verwendung: Gekochte Körner als Beilage, in Bowls, Suppen und Backwaren.

  • Besonderheit: Enthält Saponine, die vor dem Verzehr durch Waschen entfernt werden müssen.

4. Weitere regionale Pseudogetreidearten

  • Chia (Salvia hispanica): Samen aus Mittelamerika, heute v. a. als Superfood bekannt (Geleebildung durch Quellstoffe).

  • Kañiwa (Chenopodium pallidicaule): eng verwandt mit Quinoa, kleinere Körner, ebenfalls aus den Anden.

  • Fonio (Digitaria exilis): eigentlich eine Hirse-Art, wird aber häufig als „Pseudogetreide“ im erweiterten Sinne gehandelt, da sie traditionell ähnlich wie Amarant genutzt wird.


Nährwert und Inhaltsstoffe

  • Makronährstoffe: hoher Kohlenhydratanteil (60–70 %), Eiweißgehalt oft höher als bei klassischen Getreiden (12–16 %), geringer Fettanteil (2–7 %).

  • Mikronährstoffe: reich an Magnesium, Eisen, Zink, Mangan, B-Vitaminen.

  • Besonderheiten:

    • Glutenfrei, daher ideal für Zöliakie-Betroffene.

    • Enthalten viele ungesättigte Fettsäuren.

    • Sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Rutin bei Buchweizen, Saponine bei Quinoa) mit gesundheitlichen Wirkungen.


Verwendung

  • Lebensmittel:

    • Ersatz für Reis oder Couscous (Quinoa, Amarant).

    • Mehl für glutenfreie Backwaren.

    • Porridge, Müslis, Energieriegel.

    • Traditionelle Spezialitäten (Buchweizenpfannkuchen, Soba-Nudeln, Inka-Gerichte mit Quinoa).

  • Tierfutter: vereinzelt genutzt, v. a. Amarant.

  • Industrie: Extrakte als Nährstoffzusätze in Nahrungsergänzungsmitteln.


Bedeutung heute

  • Ernährung: Pseudogetreide gelten als nährstoffreiche Alternativen zu klassischen Getreiden.

  • Gesundheit: Besonders wichtig in der glutenfreien Ernährung und für Menschen mit Zöliakie.

  • Ökonomie: Exportprodukte aus Südamerika (v. a. Quinoa und Amarant) gewinnen an Bedeutung.

  • Kulturell: Buchweizen ist in Europa fest in regionale Küchen integriert, Quinoa und Amarant haben eine hohe symbolische Bedeutung in der Andenkultur.

  • Zukunft: Wegen ihrer Anpassungsfähigkeit und hohen Nährstoffdichte könnten Pseudogetreide in Zeiten von Klimawandel und Ernährungssicherheit eine wichtige Rolle spielen.