Das „Teufelsdreck“-Gewürz der indischen Küche

Asant (auch Asafoetida, hindi: हिंग „Hing“, persisch: انگدان) ist ein Gewürz, das seit Jahrhunderten in Indien, Iran und Zentralasien geschätzt wird. Berühmt – oder berüchtigt – ist es wegen seines durchdringenden Geruchs, der roh an Schwefel, Knoblauch oder Zwiebeln erinnert. Beim Kochen verwandelt sich dieser zunächst abschreckende Duft jedoch in ein feines Aroma, das Gerichten Tiefe, Umami und eine gewisse Lauchnote verleiht.


Ursprung und Geschichte

  • Pflanze: Asant stammt aus dem Harz der Wurzeln von Ferula assa-foetida, einer Doldenblütler-Pflanze, die in Iran, Afghanistan und Turkmenistan wächst.

  • Name: Der lateinische Name bedeutet „stinkendes Harz“ (foetidus = stinkend). Daher auch die volkstümliche Bezeichnung „Teufelsdreck“.

  • Geschichte: Bereits im alten Rom und im Perserreich wurde Asant als Heil- und Gewürzmittel verwendet. Mit indischen Händlern gelangte es in die Küche Südasiens, wo es bis heute eine wichtige Rolle spielt.


Gewinnung und Verarbeitung

  • Das Harz wird gewonnen, indem man die Wurzeln der Pflanze anschneidet.

  • Das austretende Milchharz trocknet an der Luft und wird anschließend gesammelt.

  • Im Handel ist Asant meist als gelbliches Pulver erhältlich, oft mit Reismehl oder Weizenmehl gestreckt, da es pur extrem intensiv ist.


Geschmack und Aroma

  • Roh: sehr stark, schwefelig, fast unangenehm (Geruch nach Knoblauch/Zwiebel in extrem).

  • Gekocht: mild, würzig, erinnert an Zwiebeln, Knoblauch und Lauch.

  • Besonderheit: Schon eine winzige Menge (eine Messerspitze) reicht, um ein Gericht zu aromatisieren.


Verwendung in der Küche

Asant ist in der indischen, ayurvedischen und persischen Küche fest verankert.

Typische Anwendungen:

  • Indische Currys und Dal-Gerichte: In heißem Öl oder Ghee angeröstet, bevor Linsen, Gemüse oder Soßen gekocht werden.

  • Vegetarische und vegane Küche: Oft als Ersatz für Zwiebeln und Knoblauch genutzt – z. B. in Gerichten der Jain-Religion, wo Knollen- und Lauchgewächse tabu sind.

  • Persische Küche: In Eintöpfen und Suppen für würzige Tiefe.

  • Würzmittel: In kleinen Mengen in Pickles, Chutneys oder Marinaden.

Anwendungstipps:

  • Immer kurz im heißen Fett anrösten, sonst bleibt der scharfe, unangenehme Geruch erhalten.

  • Nur sehr sparsam dosieren – weniger ist mehr.


Gesundheitliche Aspekte

In der Ayurveda-Lehre wird Asant seit Jahrhunderten als Heilmittel geschätzt:

  • verdauungsfördernd (hilft gegen Blähungen, v. a. bei Linsengerichten)

  • krampflösend

  • antibakteriell

  • in der Volksmedizin gegen Asthma, Husten und Menstruationsbeschwerden eingesetzt

Die moderne Forschung bestätigt einige dieser Wirkungen – insbesondere die verdauungsfördernde und krampflösende Wirkung.


Kulturelle Bedeutung

  • In Indien ist Asant ein Grundgewürz in vielen Haushalten – ähnlich wie Kreuzkümmel oder Kurkuma.

  • In der Jain-Küche dient es als Ersatz für Zwiebeln und Knoblauch, die dort aus religiösen Gründen nicht verwendet werden.

  • In Europa war Asant im Mittelalter ebenfalls bekannt, verschwand aber später fast völlig aus der Küche und wird heute hauptsächlich in Spezialgeschäften angeboten.


Fazit

Asant ist ein außergewöhnliches Gewürz, das auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig wirkt. Doch in der richtigen Anwendung verwandelt sich sein scharfer, schwefeliger Geruch in ein feinwürziges Aroma, das an Knoblauch und Zwiebeln erinnert.

Es ist ein Paradebeispiel für die Kunst des Würzens: winzige Mengen genügen, um Gerichte wie Currys, Dals oder Eintöpfe unverwechselbar zu machen. Darüber hinaus ist Asant nicht nur kulinarisch, sondern auch heilkundlich von großer Bedeutung.