Das „Engelswurzel“-Gewürz der nordischen Kräutertradition

Einführung

Die Angelikawurzel stammt von der Pflanze Engelwurz (Angelica archangelica), die zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört. Sie ist eine der traditionsreichsten europäischen Heil- und Gewürzpflanzen. Schon in Klöstern des Mittelalters galt sie als „Engelspflanze“ mit schützenden und heilenden Kräften.

Die Wurzel besitzt ein aromatisch-bitteres, würziges Aroma, das in Likören, Tees, Backwaren und Gewürzmischungen verwendet wird. Auch in der Naturheilkunde hat sie einen festen Platz.


Herkunft und Geschichte

  • Verbreitung: Ursprünglich in den kühlen Regionen Nordeuropas und Sibiriens beheimatet. Heute vor allem in Skandinavien, Island und Osteuropa angebaut.

  • Name: „Archangelica“ verweist auf den Erzengel Michael – Legenden zufolge wurde die Pflanze von Engeln als Heilmittel gegen Pest offenbart.

  • Tradition: Schon im Mittelalter als Heil- und Zauberpflanze geschätzt; Bestandteil vieler Kloster- und Magenbitter-Rezepturen.

  • Heute: Wichtige Heilpflanze und Aromageber in Likören (z. B. Chartreuse, Bénédictine, Vermouth, Jägermeister).


Pflanze und Wurzel

  • Wuchs: Zweijährige, bis 2,5 m hohe Staude mit kräftigen Stängeln.

  • Blätter: groß, gefiedert.

  • Blüten: große, grünlich-weiße Dolden.

  • Wurzel: kräftig, dick, aromatisch, enthält die wertvollen Inhaltsstoffe.

  • Ernte: meist im Herbst des ersten Jahres oder Frühjahr des zweiten Jahres.


Aroma und Geschmack

  • Geschmack: aromatisch-bitter, würzig, leicht süßlich.

  • Aroma: erdig, krautig, mit Anklängen an Sellerie, Muskat und Wacholder.

  • Besonderheit: Die Wurzel enthält viele Bitterstoffe und ätherische Öle, die sie für Magenbitter und Liköre so wertvoll machen.


Inhaltsstoffe

  • Ätherische Öle: u. a. α-Pinen, β-Phellandren, Limonen.

  • Bitterstoffe: Angelicinsäure und andere Furanocumarine.

  • Gerbstoffe: adstringierend, verdauungsfördernd.

  • Harze und Zuckerstoffe.


Verwendung in der Küche

Liköre und Spirituosen

  • Bestandteil von Kräuterlikören wie Bénédictine, Chartreuse, Jägermeister.

  • Wichtig für die Aromatisierung von Vermouth und Gin.

  • In Bitterspirituosen zur Abrundung der Geschmacksfülle.

Kulinarische Anwendungen

  • In Teemischungen gegen Magenbeschwerden.

  • Kandierte Angelikastängel als Zutat für Backwaren und Desserts (früher beliebte Tortendeko).

  • Würze für herzhafte Gerichte in der nordischen und baltischen Küche.


Gesundheitliche Aspekte

Traditionelle Heilwirkungen

  • Verdauungsfördernd: regt Speichel- und Magensaftproduktion an.

  • Appetitanregend: in Bitterelixieren und Kräuterlikören.

  • Krampflösend: bei Blähungen, Koliken und Magenkrämpfen.

  • Schleimlösend: bei Erkältungen, Husten und Bronchitis.

  • Stärkend & wärmend: bei Schwäche und Kreislaufproblemen.

Vorsicht

  • Furanocumarine: können in hohen Dosen phototoxisch wirken (empfindlicher gegen Sonnenlicht).

  • Schwangere sollten Angelikawurzel nicht einnehmen, da sie wehenfördernd wirken kann.


Aufbewahrung

  • Getrocknete Wurzelstücke: luftdicht, kühl, dunkel lagern – 1–2 Jahre haltbar.

  • Pulver: verliert schneller Aroma, besser frisch mahlen.

  • Extrakte: in Spirituosen oder Tees lange haltbar.


Kulturelle Bedeutung

  • In der nordischen Mythologie galt Angelika als schützendes Kraut gegen böse Geister.

  • In der Klostermedizin wurde sie als Allheilmittel verehrt.

  • Heute ist sie fester Bestandteil europäischer Kräuter- und Likörtraditionen.


Fazit

Die Angelikawurzel ist ein traditionsreiches Gewürz- und Heilmittel Europas. Mit ihrem aromatisch-bitteren Geschmack verleiht sie Likören, Tees und Gewürzmischungen eine besondere Tiefe und ist zugleich seit Jahrhunderten ein geschätztes Naturheilmittel.

Ob als Bitterstoffspender in Kräuterlikören, als Teepflanze für Magen und Bronchien oder als kulinarisches Aroma in Backwaren – die „Engelswurzel“ verbindet in einzigartiger Weise Geschmack, Heilwirkung und Kulturgeschichte.