Bohnenkraut (Satureja) – der ausführliche Ratgeber

Kurzprofil

  • Deutsche Namen: Bohnenkraut, Pfefferkraut

  • Botanik: Lippenblütler (Lamiaceae)

  • Arten im Garten:

    • Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis) – einjährig, zart, sehr aromatisch

    • Winter-Bohnenkraut (Satureja montana) – mehrjährig/immergrün, robuster, herber

  • Aroma: Pfeffrig-würzig, thymianartig mit leichter Schärfe

  • Verwendung: Klassisch zu Bohnen & Hülsenfrüchten, in Eintöpfen, Kräutermischungen (u. a. Herbes de Provence)


Erkennen & Unterschiede

Sommer-Bohnenkraut (S. hortensis)

  • Wuchs: 20–40 cm, buschig, weiche Triebe

  • Blätter: Schmal, weich, hell- bis mittelgrün

  • Blüte: Zart weiß bis blassrosa (Juli–September)

  • Aroma: Fein, „grün“, sehr frisch – ideal für kurze Garzeiten

  • Lebensdauer: Einjährig (säht sich gelegentlich selbst aus)

Winter-Bohnenkraut (S. montana)

  • Wuchs: 30–60 cm, halbstrauchig, leicht verholzend

  • Blätter: Fester, dunkler, immergrün

  • Blüte: Weißlich bis zartrosa (Juli–Oktober), Bienenmagnet

  • Aroma: Kräftiger, harziger, pfeffriger – perfekt für lange Schmorgerichte

  • Winterhärte: Je nach Sorte bis ca. −15 °C (guter Abfluss & Winterschutz helfen)

Inhaltsstoffe (beide): Ätherisches Öl (v. a. Carvacrol, Thymol, p-Cymen, Linalool), Gerb- & Bitterstoffe.
Sicherheit: Ätherische Öle sind hochkonzentriert – reines Öl nicht innerlich anwenden; in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern grundsätzlich vorsichtig sein. Küchenmengen sind unproblematisch.


Standort & Boden

  • Licht: Vollsonnig bis sonnig – je mehr Sonne, desto aromatischer.

  • Boden: Durchlässig, eher mager, sandig-kiesig, gern kalkhaltig; Staunässe unbedingt vermeiden.

  • Im Topf: Hochwertige, torffreie Kräuterde + Sand/Perlit (20–30 %), Drainage im Topf.


Pflanzung & Vermehrung

Sommer-Bohnenkraut (einjährig)

  • Aussaat: März/April vorkultivieren (18–22 °C), ab Mitte Mai ins Beet; oder Direktsaat ab Mai.

  • Keimung: 10–14 Tage; Lichtkeimer – Saat nur andrücken.

  • Abstand: 20–25 cm; regelmäßig entspitzen → buschig.

Winter-Bohnenkraut (mehrjährig)

  • Pflanzung: Ab April/Mai; liebt warme, steinige Beete.

  • Vermehrung:

    • Stecklinge: Juni–August, 6–8 cm lange Kopfstecklinge, sandig setzen – bewurzelt leicht.

    • Teilung/Absenker im Frühjahr.

  • Abstand: 30–40 cm.

  • Winterschutz: In rauen Lagen Wurzelbereich mulchen (Reisig/Laub); im Topf an Hauswand, Topf isolieren.


Pflege im Jahreslauf

  • Gießen: Mäßig. Kurz trocken ist besser als ständig nass. Kübel zwischen den Wassergaben antrocknen lassen.

  • Düngen: Sehr sparsam – 1× im Frühjahr etwas Kompost; zu viel Stickstoff verwässert das Aroma.

  • Schnitt:

    • Sommer-Art: Regelmäßig ernten/entspitzen → dichter Wuchs.

    • Winter-Art: Nach der Blüte leicht zurückschneiden; im Frühjahr Formschnitt nicht ins alte Holz.

  • Krankheiten/Schädlinge: Selten. Bei Nässe Wurzelfäule möglich; mitunter Blattläuse – mit kräftigem Wasserstrahl abbrausen.

  • Begleitpflanzen: Traditionell als gute Nachbarschaft zu Bohnen empfohlen (Aroma, Insektenbesuch; gegen Bohnenlaus wird oft ein positiver Effekt beobachtet – wissenschaftlich uneinheitlich, schadet aber nicht).


Ernte, Konservierung & Qualität

  • Beste Erntezeit: Vormittags nach Abtrocknen des Taus; Sommer-Art kurz vor/zu Beginn der Blüte, Winter-Art von Mai bis September.

  • Wie: Junge Triebspitzen schneiden (10–15 cm). Bei Winter-Art nicht zu tief in verholztes Holz.

  • Trocknen: Zügig, schattig, luftig in kleinen Bündeln; anschließend Blätter abstreifen. Bohnenkraut trocknet sehr gut und behält viel Aroma.

  • Einfrieren: Feingehackt in Öl/Wasser als Eiswürfel.

  • Vorräte: Kräutersalz, -essig, -honig.

    Hinweis zu Kräuteröl: Frische Kräuter in Öl können (ohne Säure & Kühlung) ein Lebensmittelrisiko darstellen. Entweder getrocknete Kräuter verwenden oder Öl im Kühlschrank lagern und binnen 1–2 Wochen aufbrauchen.


In der Küche – so schmeckt Bohnenkraut

Profil: Pfeffrig-würzig, thymianartig; dämpft die „Schwere“ von Bohnen & Kohl, macht Hülsenfrüchte bekömmlicher.

Passt besonders zu

  • Hülsenfrüchten: Grüne Bohnen, Stangen- und Trockenbohnen, Linsen, Kichererbsen

  • Gemüse: Tomate, Zucchini, Pilze, Kartoffeln, Kohl

  • Fleisch & Fisch: Lamm, Schwein, Wild, Wurst, herzhafte Schmorgerichte; Winter-Art ist ideal zum Mitgaren

  • Kräutermischungen: Herbes de Provence (meist Winter-Bohnenkraut), Balkanküche (z. B. „Chubritza“-Gewürz)

5 schnelle Ideen

  • Grüne Bohnen mit Bohnenkraut: Bohnen in Salzwasser mit 1–2 Zweigen garen; abgießen, in Butter/Olivenöl mit zerzupftem Bohnenkraut, Zitrone, Pfeffer schwenken.

  • Linsen-Eintopf: Zwiebel, Knoblauch, Möhre, Sellerie anschwitzen, Linsen + Brühe, Lorbeer, Winter-Bohnenkraut dazu, 25–30 min; mit Essig abrunden.

  • Tomaten-Zucchini-Pfanne: In Olivenöl braten, Bohnenkraut + Oregano, am Ende Feta/Oliven.

  • Kräutersalz: 1 Teil getrocknetes Bohnenkraut + 1 Teil Thymian + 8 Teile grobes Salz, mörsern.

  • Herbes-de-Provence-Rub: Bohnenkraut, Thymian, Rosmarin, Majoran, etwas Lavendel; zu Grillfleisch & Ofengemüse.


Traditionelle Anwendungen (Hinweischarakter)

Bohnenkraut gilt in der Kräuterkunde als verdauungsfördernd (carminativ), antibakteriell und leicht adstringierend.

  • Genuss-Tee: 1 TL getrocknetes Kraut (Sommer-Art) pro 250 ml heißem Wasser, 5–7 min abgedeckt ziehen, nach dem Essen.

  • Gurgeln: Starker Aufguss zum Gurgeln wird traditionell beschrieben.

Das sind überlieferte Anwendungen und keine medizinische Beratung. Ätherisches Öl stets stark verdünnt und fachkundig verwenden.


Sorten & Auslesen (Auswahl)

  • Sommer-Bohnenkraut:Saturn’, ‘Aromata’ (aromastark, standfest)

  • Winter-Bohnenkraut:Compactus’/‘Nana’ (kompakt), ‘Variegata’ (panaschiert, eher Zierwert), regional auch robuste Wildformen
    (Sortennamen können je nach Gärtnerei variieren; lokale Herkünfte sind oft besonders robust.)


Jahreskalender (Mitteleuropa)

  • März–April: Sommer-Art vorkultivieren; Winter-Art im Topf umtopfen, alte Triebe einkürzen

  • Mai: Auspflanzen / Direktsaat (Sommer-Art), Winter-Art setzen; auf Schnecken bei Jungpflanzen achten

  • Juni–September: Laufende Ernte; Stecklinge (Winter-Art) nehmen

  • Oktober: Letzte Ernte; Winter-Art leicht zurückschneiden

  • Winter: Winter-Art im Beet mit Reisig schützen; Töpfe frostgeschützt, aber hell & luftig stellen


Häufige Fragen

Sommer- oder Winter-Bohnenkraut – was soll ich pflanzen?
Für schnelle Küche & frische Würze: Sommer-Art. Für robuste Staude, Grillrub & Schmorgerichte: Winter-Art – oder beide!

Warum schmeckt mein Bohnenkraut schwach?
Meist zu schattig, zu nährstoffreich oder zu nass. Sonne, Magerkeit und Trockenheit erhöhen das Aroma. Die Ernte vor Blüte bringt die feinste Würze.

Kann ich das ganze Jahr ernten?
Sommer-Art: nur Saison. Winter-Art: ganzjährig sparsam, Hauptmenge von Mai–September. Im Winter nur wenig schneiden.


Fazit

Bohnenkraut ist ein anspruchsloses Sonnenkind mit großem Nutzen: pflegeleicht, trockenheitsverträglich, bienenfreundlich, in der Küche vielseitig – und als Begleiter im Bohnenbeet traditionell hoch geschätzt. Mit durchlässigem Boden, magerer Pflege und einem jährlichen Formschnitt (Winter-Art) hast du viele Jahre aromatische Freude.