Giersch – das unterschätzte Wildkraut aus dem Garten

Der Giersch (Aegopodium podagraria), auch „Geißfuß“, „Dreiblatt“ oder „Podagrakraut“ genannt, ist eine der bekanntesten Wildpflanzen Mitteleuropas. Viele Gärtner sehen ihn als lästiges Unkraut, weil er sich mit seinen unterirdischen Ausläufern stark ausbreitet. Doch seit Jahrhunderten gilt Giersch als wertvolles Wildgemüse und Heilpflanze – voller Vitamine, Mineralstoffe und Heilkraft.


Herkunft und Verbreitung

Giersch stammt aus Europa und Asien und hat sich in vielen Regionen stark verbreitet. Er wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, halbschattigen Standorten, etwa in Gärten, Parks, an Hecken oder Waldrändern. Seine Widerstandskraft und Ausbreitungsfreude machen ihn zu einem der am häufigsten vorkommenden Wildkräuter.


Botanik und Erkennungsmerkmale

  • Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

  • Wuchs: 30–100 cm hoch, mehrjährig, breitet sich über Rhizome massiv aus

  • Blätter: charakteristisch dreigeteilt, grob gezähnt, ähneln einem Ziegen- oder Gänsefuß (daher der Name „Geißfuß“)

  • Blüten: weiße, vielstrahlige Doldenblüten (Juni–August)

  • Wurzel: lange, kriechende Ausläufer

⚠️ Verwechslungsgefahr: Junge Gierschblätter können mit giftigen Doldenblütlern wie Schierling oder Bärenklau verwechselt werden. Sicheres Erkennungsmerkmal: die dreizähligen Blätter und der dreikantige Stängel.


Inhaltsstoffe

Giersch ist reich an wertvollen Nährstoffen:

  • Vitamine: A, C, Folsäure

  • Mineralstoffe: besonders Kalium, Magnesium, Eisen, Kalzium, Mangan

  • Eiweiß und Ballaststoffe

  • Ätherische Öle, Flavonoide und Cumarine

Seine Nährstoffdichte macht ihn zu einem der gesündesten Wildgemüse in unseren Breiten.


Heilwirkungen

In der Volksheilkunde wird Giersch seit Jahrhunderten genutzt. Schon der Name „Podagrakraut“ verweist auf seine traditionelle Anwendung gegen Gicht (Podagra).

Wirkungen:

  • stoffwechselanregend & entwässernd → hilfreich bei Rheuma, Gicht, Arthritis

  • entzündungshemmend & schmerzlindernd → bei Gelenkbeschwerden

  • verdauungsfördernd → durch Bitterstoffe und ätherische Öle

  • mineralstoffreich → zur Stärkung von Knochen, Muskeln und Nerven

Äußerlich angewendet (z. B. als Umschlag oder Badezusatz) kann Giersch Muskel- und Gelenkschmerzen lindern.


Kulinarische Verwendung

Giersch ist ein vielseitiges Wildgemüse mit frischem, würzigem Geschmack – ähnlich wie Petersilie oder Spinat, mit einer leichten Karottennote.

  • Roh: junge Blätter im Salat, Kräuterquark, Smoothie oder Pesto

  • Gekocht: als Spinat-Ersatz in Suppen, Aufläufen, Gemüsepfannen

  • Gewürz: fein gehackt in Kräuterbutter, Dips oder Saucen

  • Blüten: essbar, mild-würzig, dekorativ für Salate

  • Samen: als Gewürz, ähnlich wie Kümmel

Tipp: Junge Blätter im Frühjahr sind am zartesten und besten geeignet. Ältere Blätter werden herber.


Giersch im Garten – Fluch und Segen

Viele Hobbygärtner verzweifeln an Giersch, weil er schwer zu bekämpfen ist:

  • Seine Rhizome können mehrere Meter weit kriechen.

  • Schon kleine Wurzelstücke treiben wieder aus.

Doch anstatt ihn zu bekämpfen, lohnt es sich, ihn zu nutzen: als dauerhaft verfügbare Nahrungs- und Heilquelle direkt im Garten.


Sammeln und Anbau

  • Sammelzeit: ab März bis in den Herbst hinein

  • Blätter: am besten jung vor der Blüte pflücken

  • Blüten: Juni–August

  • Wurzeln: im Herbst oder Frühjahr für Heilzwecke

Giersch wächst von selbst – für den Anbau reicht ein natürlicher Standort, den er sich ohnehin erobert.


Fazit

Giersch ist viel mehr als nur ein „lästiges Unkraut“: Er ist ein nährstoffreiches Wildgemüse, eine Heilpflanze mit langer Tradition und ein treuer Begleiter in der Wildkräuterküche. Wer ihn erkennt und richtig nutzt, gewinnt aus ihm einen kostenlosen Superfood-Schatz, der direkt vor der Haustür wächst.