Der Laktose-H₂-Atemtest – Diagnose bei Laktoseintoleranz
Die Laktoseintoleranz gehört zu den weltweit häufigsten Lebensmittelunverträglichkeiten. Viele Betroffene leiden nach dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten unter Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall. Um sicher festzustellen, ob eine Laktoseintoleranz vorliegt, wird häufig der Laktose-H₂-Atemtest eingesetzt – ein einfaches, nicht-invasives und zuverlässiges Diagnoseverfahren.
Was ist der H₂-Atemtest?
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Der Test misst die Konzentration von Wasserstoff (H₂) in der Ausatemluft.
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Hintergrund: Normalerweise wird Laktose im Dünndarm durch das Enzym Laktase in Glukose und Galaktose gespalten und problemlos aufgenommen.
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Fehlt das Enzym, gelangt die Laktose unverdaut in den Dickdarm, wo sie von Bakterien vergoren wird. Dabei entstehen Gase – unter anderem Wasserstoff.
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Dieser Wasserstoff wird über das Blut in die Lunge transportiert und kann in der Ausatemluft nachgewiesen werden.
Ablauf des Tests
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Vorbereitung:
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Der Patient muss nüchtern erscheinen (mind. 12 Stunden nichts essen).
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Am Vortag sollten blähende Speisen, Alkohol und Rauchen vermieden werden.
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Keine antibiotischen Medikamente oder Abführmittel in den Tagen vor dem Test.
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Basiswert:
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Zunächst wird ein Atemtest im nüchternen Zustand durchgeführt, um den Grundwert zu bestimmen.
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Laktosegabe:
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Der Patient trinkt eine Lösung mit einer bestimmten Menge Laktose (meist 25–50 g in Wasser).
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Messung:
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In den nächsten 2–3 Stunden wird in regelmäßigen Abständen die H₂-Konzentration in der Ausatemluft gemessen.
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Beobachtung:
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Parallel werden mögliche Beschwerden (Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall) dokumentiert.
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Interpretation der Ergebnisse
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Positiv (Hinweis auf Laktoseintoleranz):
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Deutlicher Anstieg der H₂-Konzentration (mind. +20 ppm über den Ausgangswert).
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Begleitende typische Symptome verstärken die Diagnose.
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Negativ (keine Laktoseintoleranz):
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Kein oder nur minimaler Anstieg der H₂-Werte.
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Keine oder sehr geringe Beschwerden.
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Falsch-negative Ergebnisse:
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Bei manchen Menschen produzieren die Darmbakterien keinen oder wenig Wasserstoff (sogenannte „Non-Producer“).
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In solchen Fällen können Methan- oder Kombinationstests sinnvoll sein.
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Vorteile des H₂-Atemtests
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Nicht invasiv – keine Blutabnahme oder Endoskopie erforderlich.
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Einfach und schmerzfrei – geeignet für Erwachsene und Kinder.
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Aussagekräftig – gute Übereinstimmung mit klinischen Symptomen.
Grenzen und mögliche Fehlerquellen
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Ernährung vor dem Test – falsche Vorbereitung kann zu fehlerhaften Ergebnissen führen.
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Antibiotikaeinnahme – kann die Darmflora und damit die Gasproduktion verändern.
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Reizdarmsyndrom oder andere Darmstörungen – können ähnliche Symptome hervorrufen und das Ergebnis verfälschen.
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Non-Responder – ca. 10–20 % der Patienten produzieren kaum messbaren Wasserstoff.
Alternativen zum H₂-Atemtest
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Gentest: Nachweis genetischer Varianten, die für Laktasemangel verantwortlich sind.
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Blutzuckertest: Messung des Blutzuckers nach Laktosegabe (steigt bei Intoleranz nicht an).
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Eliminationsdiät: Vorübergehender Verzicht auf Laktose, dann erneute Provokation.