Penicillium-Arten – nützliche Helfer und gefährliche Schimmelpilze
Die Penicillium-Arten gehören zu den bekanntesten Schimmelpilzen weltweit. Sie spielen eine doppelte Rolle: Einerseits sind sie nützlich in Medizin, Biotechnologie und Lebensmittelproduktion, andererseits können sie als Vorratsschädlinge und Toxinbildner gesundheitliche Risiken verursachen.
Merkmale und Aussehen
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Gattung: Penicillium (Familie Trichocomaceae)
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Form: typisches Pilzgeflecht (Myzel) mit pinselartig verzweigten Sporenträgern („Pinselpilze“)
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Farbe: meist blaugrün, grau, manchmal weiß oder gelblich
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Vermehrung: durch Konidiosporen, die leicht in der Luft verteilt werden
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Lebensraum: feuchte Lebensmittel, organisches Material, feuchte Innenräume
Wichtige Arten
1. Penicillium chrysogenum (früher P. notatum)
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Berühmtester Vertreter: Produzent des Antibiotikums Penicillin
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Natürlich vorkommend auf Lebensmitteln und in Innenräumen
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Meilenstein der Medizin im 20. Jahrhundert
2. Penicillium roqueforti
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Edelschimmel für die Herstellung von Blauschimmelkäse (Roquefort, Gorgonzola, Stilton)
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Bildet charakteristische grünblaue Adern im Käse
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Verantwortlich für typische Aromastoffe
3. Penicillium camemberti
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Wird bei der Herstellung von Camembert und Brie eingesetzt
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Weißer Schimmel, der die Rinde bildet und für die Reifung sorgt
4. Penicillium expansum
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Vorratsschädling, befällt Obst (besonders Äpfel, Birnen)
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Bildet das Mykotoxin Patulin, das gesundheitsschädlich ist
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Verursacher des typischen „blauen Schimmels“ auf Früchten
Bedeutung in der Medizin
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Entdeckung des Penicillins 1928 durch Alexander Fleming – Beginn der modernen Antibiotika-Therapie
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Weitere medizinische Anwendungen: Produktion von Enzymen und anderen Antibiotika
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Forschung: wichtige Modellorganismen in der Mykologie
Bedeutung in der Lebensmittelproduktion
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Positiv:
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Reifung und Aromabildung bei Käse (Camembert, Brie, Roquefort, Gorgonzola)
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Produktion organischer Säuren und Enzyme für die Lebensmittelindustrie
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Negativ:
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Vorratsschädlinge in Obst, Brot, Getreide, Nüssen
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Bildung giftiger Mykotoxine (z. B. Patulin, Citrinin)
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Gesundheitliche Risiken
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Allergien: Einatmen von Schimmelsporen kann allergische Reaktionen hervorrufen
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Mykotoxine: bestimmte Arten bilden Gifte, die Nieren und Leber schädigen können
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Infektionen: selten, aber bei immungeschwächten Menschen möglich
Vorbeugung und Bekämpfung
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Lebensmittelhygiene: Obst und Getreide trocken und kühl lagern
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Kontrolle: befallene Produkte sofort entsorgen
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Lagertechnik: Luftfeuchtigkeit < 60 % und gute Belüftung
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Gebäudehygiene: Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbefall sanieren