Vitamin B2 (Riboflavin) – Struktur, Funktionen und klinische Bedeutung

Einleitung

Vitamin B2, auch Riboflavin genannt, ist ein wasserlösliches Vitamin des B-Komplexes. Es wurde 1920er-Jahren entdeckt und spielt eine essenzielle Rolle als Vorläufer der Coenzyme Flavinmononukleotid (FMN) und Flavinadenindinukleotid (FAD). Beide sind unverzichtbar für Redoxreaktionen im Energiestoffwechsel.

Da Riboflavin nicht in nennenswerten Mengen gespeichert wird, ist eine kontinuierliche Zufuhr über die Nahrung notwendig.


Chemische Eigenschaften

  • Gelber, fluoreszierender, hitzestabiler Stoff.

  • Empfindlich gegenüber UV-Licht (z. B. Milch in Glasflaschen verliert bei Sonnenexposition bis zu 50 % Riboflavin).

  • Biologisch aktive Formen: FMN und FAD.


Vorkommen

Gute Quellen für Riboflavin sind:

  • Milch und Milchprodukte

  • Fleisch und Innereien (v. a. Leber, Niere)

  • Eier

  • Vollkornprodukte

  • Grünes Gemüse


Physiologische Funktionen

Die Hauptaufgabe von Vitamin B2 besteht in der Bereitstellung von Flavin-Cofaktoren für Flavoproteine, die an Redoxreaktionen beteiligt sind:

  • Energiestoffwechsel:

    • Bestandteil der Succinat-Dehydrogenase (Citratzyklus und Atmungskette).

    • Cofaktor der Acyl-CoA-Dehydrogenasen (β-Oxidation).

  • Stoffwechsel anderer Vitamine:

    • Beteiligung an der Aktivierung von Vitamin B6 und Niacin.

    • Indirekt wichtig für die Umwandlung von Tryptophan zu Niacin.

  • Antioxidatives System:

    • Cofaktor der Glutathion-Reduktase → Regeneration von reduziertem Glutathion.


Bedarf

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE):

  • Männer: ca. 1,3–1,6 mg/Tag

  • Frauen: ca. 1,1–1,4 mg/Tag
    Der Bedarf steigt mit dem Energieverbrauch (hohe körperliche Aktivität, Schwangerschaft, Stillzeit).


Mangelerscheinungen

Ein isolierter Riboflavinmangel ist selten, tritt aber bei Mangelernährung, chronischem Alkoholismus oder bestimmten Erkrankungen auf. Symptome:

  • Ariboflavinose:

    • Cheilitis angularis (Mundwinkelrhagaden)

    • Glossitis (entzündete, glatte Zunge)

    • Seborrhoische Dermatitis

    • Konjunktivitis, Lichtempfindlichkeit

  • Sekundäre Effekte: Störungen bei der Verwertung von Eisen, Vitamin B6 und Niacin.


Überdosierung

Da Riboflavin wasserlöslich ist und Überschüsse mit dem Urin ausgeschieden werden (charakteristisch: gelbe Färbung des Urins), sind toxische Effekte bisher nicht beschrieben.


Klinische Relevanz

  • Präventive Bedeutung in der Ernährungssicherung, v. a. bei Risikogruppen.

  • Therapeutische Anwendung in hohen Dosen bei Migräneprophylaxe wird erforscht und teils bereits eingesetzt.


Schlussfolgerung

Vitamin B2 ist ein zentraler Bestandteil zahlreicher Enzymkomplexe und damit essenziell für den Energiestoffwechsel sowie antioxidative Schutzmechanismen. Aufgrund seiner Lichtempfindlichkeit ist die richtige Lagerung riboflavinhaltiger Lebensmittel von Bedeutung. Unterversorgung führt zu charakteristischen, wenn auch unspezifischen Symptomen. Eine ausgewogene Ernährung mit Milchprodukten, Fleisch, Eiern und Vollkornprodukten deckt den Bedarf zuverlässig.